Rüttgers hört Fluglärmgegnern in Lohmar zu
Demonstranten aus der Region machen ihrem Unmut Luft - Ministerpräsident startet Tour

Den Fragen von zahlreichen Zuhörern stellte sich Jürgen Rüttgers zum Auftakt seiner Zuhör-Tour in der Jabachhalle. Lohmar. Plakate wie "Fluglärm macht krank" und eine erwartungsvolle Stimmung unter den Demonstranten vor der Jabachhalle in Lohmar verhießen bereits, dass sich der Gast des Abends auf einiges gefasst machen musste.

Rund 40 Fluglärmgegner nahmen Freitagabend den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers beim Wort - der Ausflug nach Lohmar war nämlich Auftakt seiner neuen "Zuhör-Tour". So machten die Bürger ihrem Unmut in Sachen Fluglärm Luft.

Und zwar gegenüber einem Ministerpräsidenten, dessen Regierung keinen Hehl aus ihrer Unterstützung für den Flughafen Köln/Bonn macht. Den Ausflug in die Höhle des Löwen hatte Rüttgers bewusst gewählt.

Sechs Monate vor der Landtagswahl probt Rüttgers ein neues Mittel im Kampf um die Wählergunst: Fernab von den gewohnten Redeauftritten auf Parteiveranstaltungen begibt sich der Landesvater erklärtermaßen auf "Zuhör-Tour". "Ziel ist der ungefilterte Dialog ohne Netz und doppelten Boden", gab Matthias Heimeier, Sprecher der NRW-CDU, die Richtung vor. Es geht darum zu hören, wo den Bürger der Schuh drückt, so die Moderatorin in der Halle.

Der Ministerpräsident präsentierte sich locker inmitten einer modernen Studioatmosphäre, eng umgeben von einer Runde durchaus wissbegieriger Zuhörer. Ob Privates oder Gesundheitsreform, die Tagesordnung gab das Publikum vor. Wobei auch Rüttgers aus seinem Herzen keine Mördergrube machte, etwa aus einer Enttäuschung über die geplatzte Opel-Übernahme durch den Magna-Konzern.

Kein Blatt vor den Mund genommen hatten zuvor bereits die die Fluglärmgegner um Helmut Breidenbach, Präsident der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, und Helmut Schumacher vom Ortsverband Hennef der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn.

In einem offenen Brief vom 4. November an Rüttgers ist es für Schumacher "völlig unverständlich, wie die von Ihnen geführte Landesregierung die Nachfluggenehmigung für den Flughafen Köln/Bonn Anfang 2008 sang- und klanglos um weitere 15 Jahre verlängern konnte, ohne gleichzeitig für verschärfende Auflagen im Sinne des gebotenen Gesundheitsschutzes zu sorgen".

In die gleiche Kerbe schlug Breidenbach. Er warf Rüttgers in Anspielung auf dessen oft gebrauchten Vorwurf an Unternehmen von "Turbo-Kapitalismus" vor: "Die Luftverkehrsgesellschaften bekommen alles genehmigt."

So habe der Ministerpräsident auch dafür gesorgt, dass das US-Frachtunternehmen Fedex nach Köln/Bonn gekommen sei. Mit Blick auf die Fluglärmgeschädigten fänden aber "Abwägungen nicht richtig oder gar nicht statt", warf er Rüttgers vor. Der Ministerpräsident hörte sich etwa 15 Minuten alles geduldig an. An dem Nachflugverbot wolle er nicht rütteln, sich aber um die Einhaltung der Auflagen kümmern.

"Ich habe keine Lobby", wies er entsprechende Vorwürfe zurück und versprach den Fluglärmgegnern: "Ich werde mich melden". "Sie haben die Macht für eine Kernruhezeit von 24 bis 5 Uhr zu sorgen", gab ihm eine erregte Frau mit auf den Weg: "Wir sind hier alle schon ganz krank von dem Fluglärm."