"Nachts dürfen keine Maschinen starten"
Gerda Noppeney fordert eine Kernruhezeit am Flughafen Köln/Bonn.
Die Medizinerin diskutiert beim GA-Dialog.
Interview im Bonner General-Anzeiger vom 30./31.05.2009 mit Frau Dr. Noppeney

General-Anzeiger-Dialog:
Auf welche Weise schadet Fluglärm der Gesundheit?
Noppeney:
Lärm ist ein Umweltgift und verursacht Stress.
Er kann zum einen direkt wirken und Schäden am Ohr verursachen und zum anderen den Gesamtorganismus über das Nervensystems angreifen.
Letzteres ist beim Fluglärm der Fall, vor allem in der Nacht.

General-Anzeiger-Dialog:
Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden, dass Fluglärm krank machen kann?
Noppeney:
Auslöser waren die Betroffenen selbst.
In den 90iger Jahren kamen viele Patienten zu mir und meinen Kollegen aus dem Rhein Sieg-Kreis;
Diese hatten an sich selbst Beschwerden aufgrund des nächtlichen Fluglärms in der Nähe von Köln/Bonn festgestellt.
60 Ärzte haben sich daraufhin zusammengetan und eine Befragung unter 1120 Patienten aus der Region durchgeführt.
81 Prozent der Befragten gaben an, unter Beeinträchtigungen durch den Lärm zu leiden.
Auf diesem Hintergrund entstand der Entschluss zur Gründung der Ärzte-Initiative im Mai 2001.

General-Anzeiger-Dialog:
Über welche Beschwerden haben die Patienten geklagt?
Noppeney:
Angegeben wurden Schlafstörungen, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwäche, Bluthochdruck, Kopfschmerzen und auch Depressionen. Auch gab es Kinder, die von Lernschwierigkeiten berichteten.


General-Anzeiger-Dialog:
Was sagen Sie Kritikern, die einen Zusammenhang zwischen nächtlichem Fluglärm und Krankheiten verneinen?
Noppeney:
Ich vermag auf eine Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten zu dem hier in Rede stehenden Themenkomplex zu verweisen.
Allein in den Jahren 2000 bis 2008 sind über 80 einschlägige Studien erschienen, die ausnahmslos unsere Beobachtungen untermauern.

General-Anzeiger-Dialog:
Was sind Ihre Forderungen?
Noppeney:
Wir raten zur Prävention und fordern daher die Einführung einer Kernruhezeit am Flughafen Köln/Bonn und zwar von 22 bis 5 oder von 23 bis 6 Uhr. In diesen Zeitspannen dürfen keine Maschinen starten und landen.
Denn auch ,wenn wir schlafen, werden wir beeinträchtigt, denn das Ohr schläft nicht.

General-Anzeiger-Dialog:
Laut Flughafen hängen am Airport direkt 4300 Arbeitsplätze und in der Region 8500 Jobs vom Nachtflugbetrieb ab. Was ist damit?

Noppeney:
Ja, das Argument kennen wir. Das sind die Zahlen, die der Flughafen nennt. Ich weiß nicht, ob es wirklich so viele sind.
Ich gebe sehr zu bedenken, dass mit ihm – gerade in der gegenwärtigen Zeit – auch Emotionen geschürt werden, was letztlich „unreflektiertes Weitermachen“ fördert, ohne die wiederum hieraus resultierenden gesundheitlichen Gefahren mit ihren Kostenauswirkungen sachgerecht in Vergleich zu setzen.
Schutz zugunsten der von Lärm Betroffenen ist unverzichtbar.

Gestatten Sie mir, daran zu erinnern, dass man bei der Produktion und Verarbeitung von Asbest lange gebraucht hat, um einzusehen, dass dieser Stoff giftig und gesundheitsgefährdend ist.
Das Gleiche gilt für den Fluglärm.