Fluglärmgegner beklagen zu geringe Minderung - Kölner Stadt-Anzeiger vom 04.02.2011
KÖLN/BONN In diesem Jahr wird geprüft, ob der Flughafen seine Reduktionsversprechen hält


Köln/Bonn/Siegburg. In diesem Jahr stehen mindestens drei Termine an, die Einfluss auf die Nachtflüge am Köln-Bonner Flughafen haben dürften: Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht in Münster wird über die Klagen der Stadt Siegburg und anderer Kommunen gegen die Nachtflüge befinden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wird darüber urteilen, wie viele Nachtflüge der Frankfurter Airport abwickeln darf. Dieses Urteil dürfte Auswirkungen auf alle folgenden Entscheidungen über Nachtfluggenehmigungen haben. Und schließlich will die Bundesregierung eine Änderung des Luftverkehrsgesetzes verabschieden, die den Flughäfen freie Hand bei den Nachtflügen einräumen könnte. Aber nur, wenn die Richter in Leipzig diesen Weg frei machen sollten.

Mitten in diese Gemengelage hinein hatte die neue Landesregierung erklärt, Passagiernachtflüge in Köln-Wahn verbieten zu wollen. In einem Interview mit dieser Zeitung hatte Flughafen-Geschäftsführer Michael Garvens die Auffassung vertreten, dieser Plan sei "nicht realistisch". Denn der Flughafen erfülle die Anforderung, dass der Lärm seit 1997 gemindert worden sei. Damit sind die Nachtflüge laut Garvens unantastbar, auch die der Passagierjets. Dem widerspricht der Vorsitzende der Fluglärmkommission am Köln-Bonner Airport, Klaus Stich. Denn der Flughafen müsse eine "signifikante Reduzierung" des nächtlichen Fluglärms nachweisen. "Die Frage ist jetzt natürlich: Was ist signifikant? Ein Promill oder zehn Prozent?", kommentiert Stich das Ausbleiben deutlicher Verbesserungen. Alle fünf Jahre wird die Frage der Lärmminderung in der Fluglärmkommission erörtert. In diesem Jahr ist laut Stich wieder eine Überprüfung angesagt.

Bei den beiden letzten Prüfintervallen sei die Fluglärmkommission mehrheitlich zu dem Ergebnis gekommen, dass "keine signifikante Verbesserung" vorliege. Kritik an Garvens äußert auch Wolfgang Hoffmann von der Lärmschutzgemeinschaft am Flughafen. Er wirft dem Manager vor, die Nachtflüge zu begründen, indem er die wirtschaftliche Bedeutung des Airports mit "Mondzahlen" überhöhe. Dass der Flughafen ein vor Gericht durchsetzbares Recht auf Passagiernachtflüge habe, bestreitet Hoffmann. Garvens hingegen verweist immer wieder auf die Genehmigung, die die Regierung Rüttgers für alle Nachtflüge gegeben hatte.

Die Passagierflüge machen durchschnittlich 40 Prozent der nächtlichen Flugbewegungen aus. Viele Frachtflieger sind deutlich lauter. Doch ohne dementsprechende richterliche Entscheidungen aus Münster und Leipzig wird sich wohl keine Landesregierung trauen, den nächtlichen Güterverkehr über den Wohngebieten im Umkreis des Flughafens zu verbieten.