Klage gegen Nachtflug-Regelung
Kölner Stadt-Anzeiger vom 09.02.2008

Köln / Siegburg - Die Fluglärm-Gegner machen ihre Drohung wahr: Die erste Klage gegen die Verlängerung der Nachtflugregelung am Köln-Bonner Flughafen bis zum Jahr 2030 wird auf den Weg gebracht. Siegburgs Bürgermeister Fritz Huhn (CDU) teilte mit, die Stadt werde nun „unmittelbar vor das zuständige Oberverwaltungsgericht in Münster ziehen.“ Notfalls werde man auch bis in die letzte Instanz klagen, schließlich sei die Entscheidung des Landesverkehrsminister „ein eiskalter Schlag ins Gesicht der vom Nachtfluglärm betroffenen Menschen. Andere Gemeinden wollen folgen: Bergisch Gladbachs Bürgermeister Klaus Orth will das Siegburger Verfahren „sorgfältig beobachten“ und dann entscheiden. Rösrath will noch die Sitzung der Fluglärmkommission in der nächsten Woche abwarten. Eine Klage hat auch die Bundesvereinigung gegen Fluglärm angekündigt.

Minister Wittke, der die bis 2015 befristete Nachtflugregelung am Köln-Bonner Flughafen am Donnerstag vorzeitig und ohne jede Einschränkung bis 2030 verlängert hatte, wird unter anderem vorgeworfen, die betroffenen Anliegergemeinden und vor allem die zuständige Fluglärmkommission vor seiner Entscheidung nicht ernsthaft angehört zu haben. Er habe im Gegenteil schon vorher öffentlich verkündet, dass seine Entscheidung feststehe. Damit habe er aber auch alle Vorschläge zur Lärmminderung beiseitegeschoben. Zudem habe er alle Studien ignoriert, die erhebliche Gesundheitsgefährdungen durch nächtlichen Fluglärm befürchten.

Besonders bitter stößt den Gemeinden auf, dass ein bereits seit Jahren gefordertes Verbot für Passagierflüge zwischen null und fünf Uhr nicht mal erwogen wurde, obwohl dies bereits vor Jahren vom Düsseldorfer Landtag und auch vom Rat der Stadt Köln gefordert worden war. Und gerade hier, so wird geklagt, hätte man zumindest ein Signal für die lärmgeplagten Anwohner setzen können, ohne dem wirtschaftlich bedeutsameren Frachtflugverkehr zu schaden.

Insgesamt, so teilte der Flughafen mit, hat es im vergangenen Jahr 32 500 nächtliche Flugbewegungen (Starts und Landungen) auf dem Köln-Bonner Flughafen gegeben, rund 6000 weniger als noch im Jahr zuvor. Dies bedeutet, dass es nachts durchschnittlich 90 Starts und Landungen in Köln / Bonn gibt, an den Wochenenden etwas weniger, in der Woche etwas mehr. Knapp 20 Prozent davon sind Passagierflüge. Dabei handelt es sich vor allem um Billigflieger in Feriengebiete. Es gebe eine große Nachfrage zu Nachtstarts in Richtung Mittelmeer.

Als vor gut fünf Jahren der Boom der Billigflieger begann, hatte Flughafenchef Michael Garvens noch angekündigt, man wolle vor allem „das Tagesgeschäft des Flughafens“ beleben. Inzwischen jedoch wird die Zahl der Menschen immer größer, die fast einen ganzen Urlaubstag dadurch gewinnen, dass sie sehr früh abfliegen und bereits um zehn Uhr vormittags am Strand liegen.

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