Argumente vom Dach geliefert

Kölner Stadt-Anzeiger vom 10.04.07

Rösrath - Flüchtige Besucher könnten die Anlage übersehen: Auf dem Dach des Bürgerzentrums Kleineichen ragt ein Mikrofon in den Himmel, befestigt an einem etwa einen Meter langen Stab. Was so unspektakulär aussieht, soll entscheidende Fortschritte im Kampf gegen Fluglärm ermöglichen. Denn der von dem Mikrofon aufgenommene Schall wird 24 Stunden täglich in eine Lärm-Kurve umgesetzt, die laufend auf die Internetseite des Bürgervereins Kleineichen übertragen wird. Die damit gewonnenen Daten geben den lärmgeplagten Bürgern starke Argumente in die Hand, denn die Messeinrichtung auf dem Dach des Bürgerzentrums ist geeicht - ihre Ergebnisse lassen sich nicht vom Tisch wischen.

Seit drei Wochen veröffentlicht der Bürgerverein die Daten seiner Ende Februar installierten Fluglärm-Messstelle, die politische Wirkung wird sich erst nach und nach erweisen. Zunächst ist es in Kleineichen weiterhin laut: „Um 20 vor 4 werde ich immer wach“, sagt Anwohnerin Helga Bertram, „gegen 6 Uhr wird es wieder ruhig. Dann habe ich zwei Stunden wachgelegen, dann bin ich munter.“ Karl Josef Kohlgrüber hat beim Ortstermin an der Lärm-Messstelle Ähnliches zu berichten, zwischen halb 2 Uhr und 5 Uhr morgens lässt der Fluglärm ihn nicht schlafen. Kohlgrüber kann es auch belegen: Sein Gesundheitszustand wird durch ein Langzeit-EKG ständig überprüft - in den frühen Morgenstunden wird seine Herzfrequenz regelmäßig höher, auch der Blutdruck geht nach oben. Nach Aussagen seiner Ärztin reagiert Kohlgrübers Körper tagtäglich auf den Lärm, auch wenn der Patient einmal nicht wach wird.

Die Ergebnisse der Fluglärm-Messstelle decken sich mit Kohlgrübers ärztlichen Befunden. So geht die im Internet veröffentlichte Lärmkurve am Donnerstag, 5. April, just um 1.30 Uhr über 50 Dezibel hinaus, zwischen 3 und 5 Uhr liegt der Lärmpegel fast ständig zwischen 50 und 60 Dezibel. Für Mittwoch, 4. April, sind die Ergebnisse ähnlich. Am Dienstag, 3. April, war es deutlich ruhiger, die Lärmspitze um 1.30 Uhr fällt allerdings auch an diesem Tag auf.

Die Ursachen der hohen Lärmwerte ist aus Sicht des Bürgervereins klar: Zum einen sei der Abdrehpunkt der startenden Flugzeuge wiederholt verändert worden - zulasten des Rösrather und zugunsten des Kölner Stadtgebiets. Zum anderen werde die vorgegebene Fluglinie von Piloten häufig nicht eingehalten. Dadurch seien auch Flugzeuge genau über dem Bürgerzentrum zu sehen, obwohl Kleineichen eigentlich nicht überflogen werden dürfte. „Man will weniger Lärm über Köln-Rath“, ist Dieter von Niessens Erklärung für die Veränderungen an der Überflug-Linie. Rösrath dürfe aber nicht „Kirchturmspolitik“ wie andere Flughafen-Anrainer betreiben, meint der Vorsitzende des Bürgervereins und CDU-Ratsherr, sondern müsse einen fairen Interessenausgleich suchen.

Er rät lärmgeplagten Bürgern, sich schriftlich beim Flughafen über den Fluglärm zu beschweren - sie könnten sich jetzt auf die im Internet veröffentlichten Messwerte des Bürgervereins berufen. Bei dauerhaft hohem Fluglärm in Kleineichen müsse der Flughafen entweder Maßnahmen wie Schallschutzfenster bezahlen oder die Veränderungen an der Überflug-Linie zurücknehmen.

Zunächst soll der Flughafen jedoch erklären, warum die Messwerte des Bürgervereins höher liegen als seine eigenen. Das fordert Bürgermeister Dieter Happ (SPD) als Mitglied der Fluglärmkommission: Ein Vertreter des Flughafens soll im Umweltausschuss des Rats Rede und Antwort stehen. Der Bürgerverein erklärt sich die unterschiedlichen Messwerte so: Der Flughafen habe seine Messstation an einem sehr tief gelegenen Punkt, am Rand von Kleineichen platziert. Dort sei es schlichtweg leiser als ein paar Straßen weiter.

www.buergerverein-kleineichen.de

http://www.rhein-berg-online.ksta.de/jrbo/artikel.jsp?id=1176113259401