Streit um Fluglärm-Berechnung - Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.11.09

Wie stark wird die Lärmbelastung durch Nachtflüge zunehmen? Aus einem internen Papier, über das die NRW-Fluglärmkommission am Mittwoch berät, geht hervor, dass die Zahl der Nachtflüge bis 2017 fast um ein Viertel steigt.

Rund um den Flughafen wird es nachts künftig noch lauter. (Bild: Hennes)

KÖLN - Am Mittwoch tritt die Fluglärmkommission zusammen. Das 45-köpfige Gremium berät die Landesregierung bei Entscheidungen rund um den Flugverkehr am Konrad-Adenauer-Flughafen. Bei der Verlängerung der Nachtfluggenehmigung bis ins Jahr 2030 hat die Reierung auf diesen Rat allerdings gepfiffen, wie Klaus Stich, der Chef der Kommission, bilanziert.

Dass die Zahl der Flugbewegungen zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens steigen wird, bezweifelt niemand. Allein der Logistikkonzern Fedex wird dafür sorgen, dass es mehr Lärm am nächtlichen Himmel geben wird, ist sich Klaus Stich sicher. Er und andere Gegner des nächtlichen Fluglärms fürchten, dass Fedex ab kommendem Jahr vor allem alte und besonders laute Frachtmaschinen wie die MD-11 einsetzt.

Der Landtagsabgeordnete Horst Becker (Grüne) kritisiert gemeinsam mit Stich die Flughafenleitung und wirft ihr vor, bewusst die Zahl der MD-11-Flüge klein zu rechnen, um damit Lärmschutzauflagen zu unterwandern. Denn je mehr Krach vom Flughafen über die Nachbarkommunen wie Siegburg, Lohmar, Rösrath und andere gebracht wird, desto größer müssen theoretisch die Lärmschutzzonen werden. Theoretisch allerdings nur, denn in der Praxis, so Becker, sei das Fluglärmgesetz so schwach, dass es in Köln-Bonn nicht greife. Jedenfalls hat der Flughafen für Becker und Stich ein handfestes Interesse daran, die Zahlen der Nachtflüge klein und leise zu rechnen. Derzeit gibt es laut Becker rund 36.000 nächtliche Flugbewegungen pro Jahr. Bis zum Jahr 2020 rechnet er mit einer Steigerung auf etwa 42.000, was für alle betroffenen Städte und Gemeinden mehr Lärm bedeuten würde.

Aus einem internen Papier, über das die Fluglärmkommission heute berät, geht hervor, dass das NRW-Verkehrsministerium für das Jahr 2017 offenbar schon mit rund 45.000 Nachtflügen rechnet. Bestätigen wollten diese Zahl, die vermutlich aus der Fluglärmkommission in die Öffentlichkeit durchsickerte, weder der Flughafen noch die beteiligten NRW-Ministerien für Umwelt und Verkehr.

Fest steht aber: Die Lärmbelastung durch die Nachtflüge übersteigt schon seit vielen Jahren an vielen Orten um ein vielfaches den Wert von 40 Dezibel, ab dem es laut Weltgesundheitsorganisation gesundheitsschädlich wird. Drei Dezibel mehr bedeuten eine Verdopplung des Lärms. In Siegburg werden mitunter 80 Dezibel gemessen.