Fluglinien sollen Geldstrafen zahlen - Kölner Stadt-Anzeiger vom 18.06.09
Der Umweltausschuss diskutierte über das Rösrather Engagement in der Fluglärmkommission. Es wurden klare Anforderungen an die Arbeit in der Fluglärmkommission beschlossen.

Fluglärm ist für die Anwohner des Flughafens ein Thema. (Bild: dpa)
Rösrath Rund 40 Bürger waren zur Umweltausschuss-Sitzung gekommen, denn er diskutierte über die "Reduzierung des Fluglärms in der Stadt Rösrath". Zunächst kamen Experten zu Wort - allerdings kein Vertreter des Flughafens, was SPD-Fraktionschef Jürgen Bachmann bedauerte. Der Ausschuss-Vorsitzende Dieter von Niessen (CDU) stellte Messergebnisse des Deutschen Fluglärmdiensts e. V. vor, die erhebliche Lärm-Belastung in ansonsten ruhiger Nacht belegen. Anschließend wies Heiner Mersmann von der Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf auf gesundheitliche Gefahren durch nächtlichen Fluglärm hin, insbesondere eine mögliche Schwächung des Immunsystems.

Außerdem stellte von Niessen fest: "In den letzten Jahren hat es nicht eine Entlastung, sondern eine Belastung gegeben - zulasten der Stadt Rösrath." Hans Reinhold Drümmen (CDU), stellvertretendes Mitglied der Fluglärmkommission, mochte das nicht so stehen lassen: Er zeigte Daten zur Abweichung von der Idealfluglinie über dem Königsforst, demnach ist Rath-Heumar davon ebenso betroffen wie Rösrather Gebiet. Trotz dieser unterschiedlichen Aussagen betonten alle Seiten ihr Interesse am Lärmschutz. Mehrere Diskussionsbeiträge bemängelten das Verhalten der Rösrather Mitglieder in der Fluglärmkommission, sie hätten die Interessen der Stadt nicht oder unzureichend vertreten. Drümmen betonte demgegenüber, er habe in den letzten fünf Jahren in der Kommission "keiner einzigen Sache" zulasten Rösraths zugestimmt; das Stimmrecht habe beim Bürgermeister gelegen.

Für die Zukunft forderte von Niessen daraufhin klare Vorgaben für die Rösrather Vertreter in der Fluglärmkommission, der Umweltausschuss folgte seinem Vorschlag mit einstimmigem Beschluss.

Regelmäßig informieren

Danach soll der Rat den Bürgermeister beauftragen, schriftliche Anträge in die Kommission einzubringen: Erstens soll er "drastische Geldstrafen" für Fluglinien beantragen, wenn diese "die Flugrouten nicht einhalten". Zweitens soll er unterschiedliche Start- und Landegebühren für Tag und Nacht sowie für laute Flugzeuge fordern - mit dem Ziel, den nächtlichen Lärm zu mindern. Drittens soll er die Berufung einer unabhängigen Kommission beantragen, die Vorschläge zur Verringerung von Flug- und Bodenlärm erarbeiten soll. Zudem soll der Rat die Rösrather Kommissionsmitglieder auffordern, "ohne Zustimmung des Rats" keine Beschlüsse zu fassen und regelmäßig über ihre Arbeit zu informieren.

Auf eine Aussage zur Verlegung des Abdrehpunkts von startenden Flugzeugen verzichtete von Niessen - nachdem Bachmann über Informationsdefizite in dieser Frage geklagt hatte. Von Niessen hingegen stellt fest, dass der Abdrehpunkt zulasten von Rösrath verlegt worden sei. An den Rat verwies er den Vorschlag des Zuhörers und ehemaligen SPD-Ratsherrn Reinhard Aul: Dieser empfahl, die Vertreter in der Fluglärmkommission "kurzfristig auszuwechseln", weil Rösrath offenbar "schlecht vertreten" sei.

Kommentar - Ein neues Kapitel

Viel Hin und Her, widersprüchliche Informationen und Vorwürfe, die nicht weiterführten, haben die Rösrather Debatte über den Fluglärm in der Stadt geprägt.

Rösrath In der jüngsten Umweltausschuss-Diskussion war es nicht anders. Die auf Vorschlag des Ausschuss-Vorsitzenden Dieter von Niessen beschlossenen Vorgaben an die Rösrather Vertreter in der Fluglärmkommission schlagen dagegen ein neues Kapitel auf: Die Anträge, die Bürgermeister Marcus Mombauer in der Kommission stellen soll, könnten zu weniger nächtlichem Lärm beitragen. Wichtig ist auch die öffentliche Wirkung: Die Stadt Rösrath muss signalisieren, dass sie beim Lärmschutz für ihre Bürger nicht weniger entschlossen auftritt als etwa die Nachbarstadt Siegburg.

Nach dem einstimmigen Beschluss im Umweltausschuss ist zu hoffen, dass auch der Rat dieser Linie folgt. Sollte er den Vorschlag von Niessens verwässern oder gar zurückweisen, müsste das alle Fluglärm-geplagten Bürger vor den Kopf stoßen. Bleibt es hingegen bei den vom Umweltausschuss beschlossenen Vorgaben, muss Mombauer sich daran messen lassen. Eine Forderung, ihn aus der Fluglärmkommission abzuberufen, ist dagegen fehl am Platz: Der Bürgermeister ist kaum ein halbes Jahr im Amt, damit hat er erst an einer Kommissions-Sitzung teilgenommen. Sein künftiges Verhalten werden die Fluglärm-geplagten Bürger aber genau verfolgen.