NACHTFLUGVERBOT
Nach jahrelangem Klagen der Anwohner über den zunehmenden Nachtfluglärm kommt mit dem nun drohenden Nachtflugverbot ein "Jammern" der Airport-Geschäfstführung auf hohem Niveau. Und wieder einmal wird mit dem Totschlagargument "Arbeitsplatzverlust" argumentiert, ohne an die vielen durch Nachtfluglärm in ihrer Gesundheit und Arbeitskraft beeinträchtigten Arbeitnehmer zu denken.

"Das wäre der absolute Exitus" - Flughafen-Chef Garvens sieht Köln/Bonn im Kern bedroht
Kölner Stadt-Anzeiger vom 19.10.2010

Köln. Eigentlich könnte Michael Garvens zufrieden sein. Der Vorsitzende der Geschäftsführung des Flughafens Köln/Bonn kann in diesem Jahr wohl einen Gewinn für den Airport ausweisen - und das trotz der vielen Flugausfälle im April, als eine Aschewolke aus Island Europas Luftfahrt lähmte. Garvens erwartet dennoch eine Steigerung der Passagierzahlen in diesem Jahr auf knapp zehn Millionen und unter dem Strich einen Gewinn von 200 000 Euro. Dazu trägt auch der Frachtbereich bei, der in diesem Jahr mit einem Plus von 14 Prozent besonders florierte.

Dennoch malt der Flughafen-Chef die Zukunft seines Airports in düsteren Farben. Die von der Bundesregierung vorangetriebene Luftverkehrssteuer werde Köln/Bonn bis zu 600 000 Passagiere pro Jahr kosten, die zu ausländischen Flughäfen abwandern, meint Garvens. Das entspreche neun Millionen Euro Umsatz. Noch gravierender seien aber die Pläne der rot-grünen Landesregierung. Diese will zumindest für Passagiermaschinen ein Nachtflugverbot zwischen Mitternacht und fünf Uhr durchsetzen, um Anwohner vor den Lärmbelastungen zu schützen.

Für Garvens würde das nach sich ziehen, dass der Flughafen massiv auf die Kostenbremse treten müsste. "Das würde bedeuten, dass wir mit härtesten Maßnahmen auch im Personalbereich einsparen müssten." Alle Bereiche, mit denen der Flughafen derzeit kein Geld verdient, seien dann von Auslagerung und Schließung bedroht. Rund 1700 direkte und indirekte Jobs stünden am Flughafen auf der Kippe.

Luftverkehrssteuer und Nachtflugverbot zusammen hätten laut Garvens verheerende Effekte für den Airport. "Das wäre der absolute Exitus für unseren Flughafen." Doch der Manager setzt auf die Bundesregierung. Das Land kann zwar per Änderung der Betriebsgenehmigung für Köln-Bonn dem Flughafen eine Kernruhezeit verordnen - doch das Bundesverkehrsministerium muss dem zustimmen. Es gebe klare Hinweise, dass der Bund das Vorhaben der Landesregierung nicht unterstützen werde, so Garvens. In Berlin hält man sich dazu bedeckt. Den anstehenden Gesprächen wolle man nicht vorgreifen, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Während der Konflikt auf politischer Ebene verhandelt wird, arbeitet Garvens parallel an neuen Erlösquellen für seinen Flughafen. Dazu gehört die Stärkung des Geschäfts mit Einzelhändlern, die aus dem Flughafen mittlerweile ein Einkaufszentrum auch für die Anliegergemeinden gemacht haben. Dazu gehören aber auch neue Flugverbindungen. Ryanair, bisher als Billigheimer nicht unbedingt in Köln/Bonn erwünscht, steht nun auf Garvens Wunschliste möglicher neuer Partner.

KOMMENTAR - KStA vom 19.10.2010
Zur Lage des Flughafens Köln/Bonn - Perspektiven bleiben

Die Luftverkehrssteuer des Bundes und die vom Land geplante Kernruhezeit in der Nacht stellen für den Flughafen Köln/Bonn in der Tat spürbare Belastungen dar. Einige Wachstumspläne werden unter diesen Vorzeichen nicht zu halten sein. Doch beides sind sinnvolle Maßnahmen, die dem Airport dennoch Perspektiven lassen.

Von der Steuerbelastung sind alle deutschen Flughäfen betroffen. Der ausgewiesene Niedrigpreis-Airport Köln/Bonn verliert im gleichen Umfang an Attraktivität wie Düsseldorf und alle anderen. Steigen aber die Gesamtkosten für Flugreisen, wirken niedrige Grundpreise noch attraktiver. Köln/Bonn könnte im deutschen Wettbewerb profitieren, was eventuelle Verluste an das Ausland kompensieren hilft.

Die Einbußen durch ein Nachtflugverbot für Passagierjets wiegen schwerer. Doch Starts von Passagierfliegern um drei Uhr morgens liegen weder im Interesse von Geschäftsreisenden noch der Urlauber oder gar der Anwohner. Sie dienen nur den Airlines und dem Flughafen zur optimalen Auslastung. Das ist als Begründung zu wenig - zumal der wachsende Luftfrachtverkehr weiter für eine gute nächtliche Auslastung sorgen dürfte.