Flughafen soll einlenken - Kölner Stadt-Anzeiger vom 20.08.2011
AIRPORT Umweltstaatssekretärin Heinen (CDU) lehnt nächtliche Passagierflüge ab

Köln. Die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Ursula Heinen (CDU), unterstützt die rot-grünen Pläne für ein Nachtflugverbot für Passagierflüge in Köln. "Wir muten den Bürgern, die in der Nähe leben und nicht schlafen können, sehr viel zu", sagte sie dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Mir hat bislang niemand erläutern können, warum es wirtschaftlich unbedingt notwendig ist, nachts zwischen 0 und 5 Uhr Touristenflieger starten und landen zu lassen", erklärte die Kölner Bundestagsabgeordnete.

Heinen - als parlamentarische Staatssekretärin eine enge Mitarbeiterin von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) - ging damit auf Konfrontationskurs zu Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Denn der hat gerade erst angedroht, ebenjenes Nachtflugverbot für Passagierflüge am Flughafen Köln/Bonn zu kippen, das von der rot-grünen Landesregierung geplant ist. Ramsauers Ministerium bezweifelt die Rechtmäßigkeit eines Verbots.

Um die verhärteten Fronten aufzubrechen, schlug Heinen ein Vermittlungsverfahren vor. "Bund, Land, Stadt, der Flughafen und diejenigen, die vom Lärm besonders betroffen sind, sollten dann darüber sprechen, wie der Flughafen in Zukunft zu positionieren ist." Als Vorbild nannte die CDU-Politikerin die Mediation beim Streit über eine neue Landebahn am Frankfurter Flughafen.

Politik und Wirtschaft bräuchten solche neuen Wege, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sagte Heinen. "Da hat nicht zuletzt die Schlichtung über Stuttgart 21 Maßstäbe gesetzt." Nur ein Unabhängiger von außen könne nun erfolgreich durch die Gespräche führen. Voraussetzung sei die Bereitschaft aller, sich darauf einzulassen. Heinen betonte: "Ich sage das auch klar an die Adresse der Flughafen-Verantwortlichen: Es reicht nicht aus, nur auf einem gesetzten Rechtsstandpunkt zu beharren. Da sind jetzt mehr Beweglichkeit und Sensibilität gefragt."

Die wichtigste Passagier-Airline in Köln/Bonn, Germanwings, versucht dem Problem nach eigenen Angaben aus dem Weg zu gehen. "Kein Germanwings-Flug startet derzeit in Köln/Bonn nach 23 Uhr - dabei wird es auch beim Ausbau unseres Verbindungsnetzes bleiben", sagte Vorstandschef Thomas Winkelmann dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Für Landungen gilt das aber nicht.
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