Fluglärm im Kreis - Das Ohr schläft nicht
Kölner Stadt-Anzeiger vom 21.03.09

Großer Fluglärm führt offenbar zu mehr Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Patienten stellen oft den Zusammenhang zwischen Fluglärm und Erkrankung gar nicht her. Eine Ärzteinitiative stellte nun eine Studie vor.

Rhein-Sieg
Gerda Noppeney benutzt gerne den medizinischen Fachausdruck der „Durchseuchung“, wenn sie von den gesundheitlichen Folgen des Fluglärms spricht. Die Internistin gehört zur Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf, die sich „Aefusch“ abkürzt. Die Mediziner agieren vor allem gegen den nächtlichen Fluglärm über dem Kreis. Gestern gaben Noppeney und ihr in Siegburg praktizierender Kollege Arno Lange eine Pressekonferenz, auf der sie den Zusammenhang zwischen dem Lärm von oben und Herz-Kreislauferkrankungen erläuterten.

Und der ist für die Ärzte eindeutig nachweisbar. Denn mit dem Fluglärm nimmt auch die Einnahme von Blutdrucksenkern zu. Die Mediziner haben die Ergebnisse einer Studie von Statistiken auf Landkarten übertragen. Die können Interessierte auf der Internetseite der Initiative einsehen.

In der Studie wurde schlicht abgeglichen, wo wie viel Fluglärm herrscht und wie viele Blutdrucksenker und Herz-Kreislaufmedikamente dort genommen werden, gemessen nicht in Stückzahlen, sondern nach Wirkungsgrad. Noch am Vormittag sei jemand in seiner Praxis gewesen, der unter hohem Blutdruck leide, berichtet Arno Lange. Auf Nachfrage habe er dann erfahren, dass der Patient in der Flugschneise des Konrad-Adenauer-Flughafens wohne. Diesen Zusammenhang hatte der Patient selbst gar nicht hergestellt.

In der Studie heißt es deshalb, dass das Ohr nicht schläft. Auch wer keine Beschwerden spürt, kann betroffen sein. „Ein gewissenhafter Mediziner muss in so einem Fall Präventionsmaßnahmen einleiten“, so Noppeney. Doch wie soll das beim Fluglärm gehen? Die Ärzte wissen, dass die Landesregierung von ihrer Forderung einer Kernruhezeit nichts hält. Gerade aber zwischen 3 und 5 Uhr nachts gilt der Schlaf als besonders gefährdet. Und im Gegensatz zu Frankfurt oder München herrscht dann in Wahn ziemlicher Betrieb.

Lange weiß, dass Nachtflugbefürworter immer wieder die Schädlichkeit des Lärms in Frage stellen. Durch diese und andere Studien, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen, sei aber bewiesen, dass dort, wo mehr Fluglärm herrscht, mehr Medikamente genommen werden. Und die würden in Zeiten reglementierter Budgets eben nur verschrieben, wenn jemand krank sei, so Lange. Bereits in den kommenden Monaten wollen die Ärzte eine Studie vorlegen, die beweist, dass Fluglärm das Risiko eines Herzinfarktes und eines Schlaganfalls vergrößert.

http://www.ksta.de/jks/artikel.jsp?id=1233584157516