Gericht muss Fluglärm prüfen
Kölner Stadt-Anzeiger vom 23.24.09.2006

VON HALVARD LANGHOFF, 23.09.06, 07:06h

Köln / Leipzig - Bekommen Anlieger des Köln-Bonner Flughafens künftig mehr Schallschutz? Nach Ansicht der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn besteht Anlass zu dieser Hoffnung. Denn das Bundesverwaltungsgericht Leipzig hat in einem Revisionsverfahren von drei Anliegern aus Hennef, Lohmar und Bergisch Gladbach das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster aufgehoben und entschieden, dass es verpflichtet ist, sich grundsätzlich mit Fragen des Schutzes vor Fluglärm zu befassen.

Die Kläger fordern weitergehende Schallschutzmaßnahmen gegen den nächtlichen Fluglärm, denn der Airport wickelt den größten Teil seines Frachtverkehrs zwischen Mitternacht und 6 Uhr ab. Außerdem ist durch den verstärkten Verkehr der Billigflieger mehr Lärm in den Nachtrandzeiten hinzugekommen.

Bisher hat der Flughafen die Dämmung der Schlafräume mit Schallschutzfenstern und Belüftern angeboten, wenn mehr als sechsmal pro Nacht ein Außenschallpegel von 75 Dezibel im Durchschnitt der sechs verkehrsreichsten Monate des Jahres erreicht wurden. Nach Auffassung der Lärmschutzgemeinschaft ist es jedoch anerkanntes Schutzziel, dass höchstens 55 Dezibel für Schlaf-Innenräume bei gekipptem Fenster und ein Außenpegel von nicht mehr als 70 dB(A) erreicht werden dürfen.

Wenn Bewohner der Nachtschutzgebiete zusätzlichen Lärmschutz, beispielsweise durch eine verbesserte Dachdämmung, einbauen lassen wollen, zahlt der Flughafen bisher nur eine geringe Pauschale mit der Maßgabe, dass der Hauseigentümer die hohen Restkosten zu tragen hat. Will er das nicht, verweigert der Flughafen auch die kostenlosen Schallschutzfenster in den Schlafräumen. Ob dies so richtig ist, muss jetzt das Oberverwaltungsgericht Münster prüfen.

„Wir erhoffen uns eine deutliche Verbesserung des Schallschutzes für die Anwohner im Flughafenumfeld“, sagt Helmut Breidenbach, Vorsitzender der Lärmschutzgemeinschaft. Er fordert eine Ausweitung der Nachtschutzzonen sowie ein Gutachten über die gesundheitlichen Auswirkungen des Nachtlärms. Breidenbach: „Der Flughafen wendet bei seinem Schallschutzprogramm Lärmwerte an, die heute in der Lärmwirkungsforschung niemand mehr als geeignet ansieht.“

Ob der Flughafen an seinen Kriterien etwas ändern wird, ist völlig offen. Airportsprecher Walter Römer: „Wir warten erst einmal die Begründung des Gerichts ab und sehen dann, was Münster sagt.“