Studie
Nächtlicher Fluglärm fördert Brustkrebs
Kölner Stadt-Anzeiger vom 26.08.09

Eine teilweise emotional geführte Diskussion entwickelte sich zwischen Fluglärmgegnern und der Stadt. Der Landrat hat die Methoden und Ergebnisse angezweifelt und die Fluglärmstudie zurückgehalten.

Siegburg „Wenn eine Studie mit öffentlichen Mitteln finanziert ist, dann gehört sie der Bevölkerung und nicht dem Landrat.“ Deutliche Worte zu Frithjof Kühn fand Professor Eberhard Greiser auch vor Publikum. Am Montagabend stellte der Wissenschaftler im Stadtmuseum die Ergebnisse einer Studie vor, die der Kreis in Auftrag gegeben hatte.

Veröffentlichen wollte der Landrat die Ergebnisse noch nicht. Die offizielle Begründung der Kreis-Pressestelle: Zweifel an der Methode und den Ergebnissen Greisers. Nachdem der „Rhein-Sieg-Anzeiger“ darüber berichtete, gab der Landrat die Studie immerhin an die Fraktionen des Kreistags weiter.

Greiser kommt darin zu klaren Resultaten: Frauen, die unter Fluglärm von 55 dB(A), dem gesetzlich zugelassenen Dauerschallpegel, ihre Nächte zubringen müssen, haben ein deutlich höheres Risiko, an Brustkrebs, Leukämie und Lymphdrüsenkrebs zu erkranken. Für Männer konnte der Epidemiologe kein höheres Krebsrisiko feststellen.

Warum das so ist, lasse sich noch nicht genau sagen, so Greiser gegenüber dem „Rhein-Sieg-Anzeiger“. Allerdings stünden seine Ergebnisse im Übereinklang mit ähnlichen Studien. Und sie entsprechen außerdem bereits vorliegenden Erkenntnissen darüber, dass nächtlicher Schlafentzug das Immunsystem und insbesondere die Krebskillerzellen schwäche. Daher hat die Weltgesundheitsorganisation Nacht- und Schichtarbeit als eindeutig krebserregend klassifiziert, so Greiser.

Der Professor aus Bremen ging auch auf die Ergebnisse seiner ersten beiden Studien ein, die er im Großraum Köln inklusive dem Rhein-Sieg-Kreis durchgeführt hat. Die Forschung zum Krebs durch nächtlichen Fluglärm baut auf den beiden vorherigen Arbeiten auf. In der ersten Studie konnte Greiser nachweisen, dass nächtlicher Fluglärm den Verbrauch von Blutdrucksenkern deutlich erhöht. Im zweiten Schritt stellte er fest, dass Herzkreislaufleiden bis hin zum Schlaganfall auf den nächtlichen Krach vom Himmel zurückgeführt werden können. Beide Prüfungen stellen nach Greisers Angaben die weltweit umfangreichsten Studien zu Gesundheitsstörungen durch Fluglärm dar.

Nach dem Vortrag entspann sich eine teilweise emotional geführte Diskussion der Zuhörer, unter denen sich viele erklärte Fluglärmgegner befanden. Einer von ihnen warf CDU, SPD, Grünen und FDP vor, gleichermaßen am nächtlichen Fluglärm schuld zu sein, da sie alle in den vergangenen Jahren in Düsseldorf die Macht hatten. Dass sich die Grünen im Landtag und die CDU in der Stadt Siegburg exponiert gegen den nächtlichen Fluglärm einsetzten, hielt er für Heuchelei.

Während andere Flughäfen eine Ruhezeit von 0 bis 5 Uhr einhalten müssen, wird in Köln-Wahn munter geflogen. 40 Prozent der Nachtflüge seien mittlerweile Personenflüge, sagte Helmut Schumacher von der Lärmschutzgemeinschaft. Und der Lärm könne in Zukunft noch schlimmer werden, fürchtet Klaus Stich von der Siegburger CDU. Stich sitzt der Fluglärmkommission vor und teilte mit, er versuche seit einem Jahr von dem Logistikkonzern Fedex zu erfahren, mit welchen Maschinen der im kommenden Jahr seine Arbeit in Wahn aufnehmen will. Ohne Erfolg, der Konzern mache keine Angaben. Stichs Befürchtung: er wird alte und laute Maschinen einsetzen.