Roters steht bei Nachtflugverbot gegen Rot-Grün - Kölner Stadt-Anzeiger vom 26.10.2011
PASSAGIERJETS Kölner OB lehnt Kernruhezeit ab, seine Ratsfraktionen sind aber dafür

Köln/Düsseldorf. Im Streit über das von der rot-grünen Landesregierung geplante Nachtflugverbot für Passagiermaschinen am Flughafen Köln/Bonn sind sich Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) und die rot-grüne Mehrheit im Kölner Rat nicht einig. Roters hat sich in einem Schreiben an NRW-Verkehrsminister Harry K. Voigtsberger aus wirtschaftlichen und rechtlichen Gründen gegen ein Start- und Landeverbot im Passagierflugverkehr zwischen null und fünf Uhr ausgesprochen.

Die Ratsfraktionen von SPD und Grünen im Stadtrat unterstützen dagegen den Minister in seinem Bemühen, die Nachtflugbeschränkung durchzusetzen. Einigkeit zwischen Roters, der Kölner SPD und den Grünen besteht lediglich darin, die Landesregierung möge beim Bund und der EU darauf hinwirken, dass es eine EU-weit einheitliche Regelung gibt.

Kölns OB fürchtet, ein Nachtflugverbot für Passagiermaschinen könne das Einfallstor in eine allgemeine Kernruhezeit sein. "Der Flughafen verfügt über eine rechtmäßige Betriebsgenehmigung. Es gibt keine Gründe, diese aufzuheben", sagte Roters. Ein Nachtflugverbot werde zu einem Wegfall von 1700 Arbeitsplätzen und Umsatzverlusten von rund 100 Millionen Euro führen. Diese Zahlen stammen aus einem Gutachten, das der Flughafen Köln/Bonn 2008 in Auftrag gab. Die Fluglärmgegner gehen davon aus, dass durch die Kernruhezeit für Passagierjets nur 265 Jobs gefährdet sind. Einig sind sich Roters, SPD und Grüne in ihrer Kritik an der Verlagerung von Fracht-Nachtflügen von Frankfurt nach Köln. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Lufthansa-Maschinen in Köln zwischenparkten, um das Nachtverbot in Frankfurt zu umgehen. "Frankfurt pickt sich die Rosinen heraus, und für Köln bleibt nur der unattraktive Nachtflug", rügte Kölns SPD-Fraktionschef Martin Börschel.

Im NRW-Verkehrsministerium werden derweil die Stellungnahmen aller Beteiligten zum Passagiernachtflugverbot geprüft, sagte Staatssekretär Horst Becker (Grüne) im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Bis dahin müsse der Flughafen die Gesellschaften mit den lautesten Frachtmaschinen drängen, auf leisere Flugzeuge umzusteigen. (mit luf)