Nachtflugverbot in Köln ab 2012 - Kölner Stadt-Anzeiger vom 27.08.10

Spätestens Anfang 2012 gilt auf dem Kölner Flughafen ein Nachtflugverbot für Passagiermaschinen in der Zeit zwischen 0 und fünf Uhr morgens. NRW-Verkehrsminister Voigtsberger lobt den Kompromiss, doch der Flughafen fürchtet Einbußen.

KÖLN/SIEGBURG - Gedämpfter Optimismus bei den Fluglärmgeplagten - große Zweifel bis Ablehnung bei der IHK und beim Flughafen. Die Reaktionen auf die Ankündigung des NRW-Verkehrsministers Harry Kurt Voigtsberger, die nächtlichen Passagierflüge in Köln Bonn zu stoppen, ist auf ein gemischtes Echo gestoßen. Flughafenchef Michael Garvens reagierte gelassen. Der Flughafen besitze eine Nachtfluggenehmigung, die bis 2030 gültig sei. Diese beinhalte auch die Erlaubnis für Passagierflüge in der Nacht. Garvens geht davon aus, dass diese Genehmigung gerichtsfest sei.

Die Auswirkungen eines Verbotes von Passagierflügen in der Zeit von 0 bis 5 Uhr hat die Flughafengesellschaft im Jahr 2008 untersuchen lassen. Es würde zu einem Rückgang der Passagierzahlen von 1,2 Millionen pro Jahr führen - und bereits im ersten Jahr zum Wegfall von rund 1700 direkten und indirekten Arbeitsplätzen. Die Einnahmeverluste wären für die finanzielle Situation des Unternehmens bedrohlich, so Garvens.

Vor dem Hintergrund des großen Konjunktureinbruchs, der die Luftfahrtbranche 2009 in die schwerste Krise ihrer Geschichte gestürzt hat, wäre ein Verbot umso schwerer zu verkraften. Zusätzlich müsse der Flughafen Einnahmeausfälle durch die isländische Aschewolke in Höhe von drei Millionen Euro ausgleichen. Garvens: „Wir werden das Gespräch mit der Landesregierung suchen“.

Kritik von der IHK

Nach Auffassung der Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK) kann der Landesverkehrsminister allein gar nicht über ein Flugverbot entscheiden. „Es wäre interessant zu erfahren, wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer auf die Ankündigung aus Düsseldorf reagiert“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Herbert Ferger. Im übrigen handele es sich bei den Passagierflugzeugen, die nachts Köln-Bonn anfliegen, nicht „bloß um Mallorca-Flieger. Hier starten und landen auch viele Maschinen ohne Passagiere - aus Umlaufgründen“, sagte Ferger. Ein Nachtflugverbot könne auch den Standort Köln-Bonn als Heimatbasis der Lufthansa City-Line in Gefahr bringen.

„Es ist der erste Schritt in die richtige Richtung“, gibt sich der stellvertretende Vorsitzende der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln / Bonn, Helmut Schumacher, verhalten optimistisch. „Das Verbot reicht aber bei weitem nicht aus“, sagt der Lärmschützer. Denn gerade bei den Frachtmaschinen starten in der Nacht sehr laute Flugzeuge, „die als Wecker funktionieren“, so Schumacher. Besonders ab etwa vier Uhr, wenn der Schlaf weniger tief ist, gebe es eine hohe Startfrequenz. „Wir brauchen ein konkretes Lärmminderungskonzept.“ Das Nachtflugverbot hätte nach seiner Ansicht schon längst eingeführt werden können. Die Lärmschutzgemeinschaft fordert die Kernruhezeit bereits seit zwei Jahrzehnten vergeblich.

Jetzt gebe es einen vielversprechenden neuen Anlauf. „Wir hoffen, dass es auch zur Umsetzung kommt und nicht politisch im letzten Moment Sand ins Getriebe kommt“, hofft der Lärmschützer, der vorgezogene Neuwahlen als Verhinderungsvariante ins Kalkül zieht.

Kommentar zu Köln/Bonn: Nachtflugverbot schwer durchzusetzen