Nachtflugverbot für Passagiere in Köln ab 2012 - Kölner Stadt-Anzeiger vom 27.08.10
LÄRMSCHUTZ Wirtschaftsminister spricht von "vernünftigem Kompromiss" - IHK und Flughafen fürchten enorme Einbußen

Köln/Düsseldorf. Spätestens Anfang 2012 gilt auf dem Kölner Flughafen ein "Nachtflugverbot für Passagiermaschinen in der Zeit zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens". Das hat der neue Wirtschafts- und Verkehrsminister Harry Kurt Voigtsberger (SPD) im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" angekündigt. Er geht davon aus, dass die im Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen vereinbarte Einschränkung des Flugbetriebs "in ein bis eineinhalb Jahren" kommen wird. Damit gibt es erstmals ein konkretes Zeitfenster für eine Kernruhezeit im Passagierverkehr, die der Landtag schon in der letzten Legislaturperiode einstimmig gefordert hat.

Der Minister unterstrich, dies sei "ein vernünftiger Kompromiss zwischen den Interessen des Flughafens und den Bedürfnissen der Anwohner". Zu Sorgen, damit sei ein Abbau von Arbeitsplätzen verbunden, sagte Voigtsberger: "Die Zeit zwischen Mitternacht und fünf Uhr ist doch nicht die Hauptflugzeit. Natürlich ist jede Einschränkung schmerzhaft. Aber gerade in Köln muss es doch Möglichkeiten geben, Ersatzlösungen zu finden." Zumal der "Frachtflug von dieser Einschränkung nicht betroffen" sei.

Während der Vertreter der Lärmschutzgemeinschaft Köln/ Bonn, Helmut Schumacher, von einem "ersten Schritt in die richtige Richtung" sprach, äußerten sich der Flughafen und die Industrie- und Handelskammer zu Köln kritisch. Flughafenchef Michael Garvens hält die erst kürzlich ergangene Verlängerung der Nachtflugerlaubnis für alle Maschinen für "gerichtsfest". IHK-Hauptgeschäftsführer Herbert Ferger bezweifelt, ob die Landesregierung das Verbot für Passagiernachtflüge überhaupt aussprechen kann, und fragt, ob das nicht Sache des Bundesverkehrsministeriums sei. Wie Garvens warnt auch er vor enormen finanziellen Einbußen und dem Wegfall von 1700 Arbeitsplätzen.

Kommentar
Land/Region