Flughafen-Lärm bleibt unverändert

Kölner Stadt-Anzeiger vom 31.03.06

VON HALVARD LANGHOFF, 31.03.06, 07:06h

Jetzt wird sich die Fluglärm-Kommission mit dem Ergebnis der regelmäßigen Untersuchung befassen.

Köln - Auf dem Flughafen Köln / Bonn ist es in den vergangenen fünf Jahren nachts kaum leiser geworden; der Unterschied zur letzten Untersuchung im Jahr 2000 ist so minimal, dass er mit dem menschlichen Ohr nicht wahrnehmbar ist. Das geht aus einer schalltechnischen Untersuchung hervor, zu der der Flughafen regelmäßig verpflichtet ist und mit der der Nachtschutzbereich rund um den Flughafen in der Wahner Heide festgelegt wird (in einem komplizierten Verfahren wird der Schall auf die Fläche umgerechnet). Im Jahr 2005 hat sich dieser Schutzbereich im Vergleich zum Jahr 2000 um genau 346 Quadratmeter verkleinert, ist also von 63,5 auf 63,2 Quadratkilometer geschrumpft.

„Das ist keine signifikante Lärmminderung“, kritisiert der Landtagsabgeordnete Horst Becker (Grüne), der auch Mitglied der Fluglärmkommission ist. Die Strategie des Flughafens, alleine auf den technischen Fortschritt zu setzen, gehe nicht auf, sondern führe dazu, dass der Lärm auf einem hohen Niveau bleibe.

Genau das aber hatte der Landtag, als er 1997 die Verlängerung des Nachtflugbetriebs in Köln / Bonn bis 2015 genehmigte, verhindern wollen. In einem Fünfjahresrhythmus soll die Wirksamkeit der Lärmschutzmaßnahmen überprüft und festgestellt werden. „Sollte sich der Nachtfluglärm nicht signifikant vermindert haben“, heißt es in der Nachtflugregelung, „werden zusätzlich aktive und passive Lärmschutzmaßnahmen zwingend erforderlich.“ Dabei muss allerdings der Vertrauensschutz der am Flughafen operierenden Luftfahrtunternehmen beachtet werden.

Das Nachtschutzgebiet - nicht zu verwechseln mit dem größeren „passiven Schallschutzgebiet“, in dem der Flughafen freiwillig Lärmschutzmaßnahmen an Schlafräumen finanziert - ist also nur um 0,5 Prozent kleiner geworden. Obwohl sich die Zahl der Nachtflüge von fast 22 000 auf mehr als 19 000 Flugbewegungen verringert hat und die extrem lauten Flugzeuge vom Typ Boeing 727 ganz weggefallen sind. Für Becker zeichnet sich ein Trend ab: „Durch den vermehrten Einsatz schwerer Flugzeuge, insbesondere der MD 11, gibt es wieder eine Zunahme von lauten Schallerereignissen in der Nacht.“

Durch die neue Frachthalle von United Parcel Service (UPS) erhöhe sich der Frachtumschlag auf dem Flughafen Köln / Bonn, was zu vermehrtem Einsatz der MD 11 führe. Zum Vergleich: Eine Boeing 757 erzeugt an der Messstelle einen Lärmpegel von 73 bis 74 Dezibel (dB(A)), bei einer MD 11 sind es 79 bis 80 dB(A). Der Landtagsabgeordnete will in Erfahrung gebracht haben, dass sowohl UPS als auch das ebenfalls in Köln / Bonn operierende Unternehmen Federal Express jeweils zehn Super-Jumbos vom Typ A 380 geordert haben.

„Der Lärm stabilisiert sich nicht nur, der Trend deutet sogar auf einen Zuwachs in den nächsten Jahren hin“, sagt Becker. Er erhält Unterstützung von Helmut Breidenbach, dem Vorsitzenden der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, der keinen vom Landtag beschlossenen „fairen Interessenausgleich“ zwischen den vom Fluglärm betroffenen Anliegern und den Nutznießern des Nachtflugverkehrs sieht: „Gemeinsam mit der Fluglärmkommission werden wir beim Verkehrsminister zusätzliche aktive und passive Lärmschutzmaßnahmen einfordern.“ Nach seiner Auffassung gehe bundesweit kein Flughafen so unsensibel mit der nächtlichen Lärmproblematik um wie Köln / Bonn.

Flughafensprecher Walter Römer wollte die Studie gestern nicht kommentieren, sondern sie erst der Landesregierung übergeben. Am Montag wird in der Fluglärmkommission darüber debattiert