FLUGLÄRM
Verantwortung sieht anders aus - Leserbriefe* im Kölner Stadt-Anzeiger vom 20.10.2010
Zu "Land fordert Bund mit Nachtflugverbot heraus" (Ausgabe vom 30.09.)
* die Leserbriefe wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen anonymisiert

Nur die Stimme zählt

CDU und FDP lernen einfach nicht, dass die Bevölkerung genug vom Lobbyismus hat. Einen Denkzettel haben sie in NRW bereits bekommen. Was ist das für eine Demokratie, wo deine Stimme zählt, du aber nicht?

Endlich aufgerafft
Endlich einmal rafft sich eine SPD-geführte NRW-Landesregierung dazu auf, wenigstens eine von mehreren Zusagen einzulösen, welche der damalige NRW-Ministerpräsident Clement der Öffentlichkeit gegeben hatte: Das Verbot von nächtlichen Passagierflügen, zumindest in der Kernruhezeit. Und prompt versucht wieder mal ein CDU/ CSU-Verkehrsminister querzuschießen. Wenn sich heute wiederum ein CDU/CSU-Verkehrsminister hinstellt und unsinnige Behauptungen aufstellt, wie die, dass eine zeitliche Einschränkung von nächtlichen Passagierflügen mit Urlaubsländern wie Türkei, Spanien, Griechenland "den Industriestandort schädige", dann hat der Mann entweder von der Sache keinen blassen Schimmer oder aber, was noch schlimmer wäre, es geht mal wieder darum, die Interessen von Lobbyverbänden zu bedienen.

Fühlen uns übergangen
Es ist schon unverschämt, wenn von verantwortlicher Stelle gesagt wird, dass der Fluglärm nur von ganz wenigen als Krach empfunden wird, und dass es eine Lärmbelästigung für die meisten Kölner nicht gibt. Wir, die Betroffenen, sind einfach vergessen worden. Wir Kölner, die wir in der nördlichen Einflugschneise leben müssen, fühlen uns übergangen. Ich lebe gerne und schon lange in meinem Heimatort Niehl, auch wenn es mir dank Fluglärm immer schwerer fällt. Die Dimensionen übersteigen in der Zwischenzeit jegliches Maß, wenn in der Nacht bis zu 70 Flieger über den Norden hereinkommen. Der Fluglärm kann von den Behörden und den Damen und Herren im Rathaus nicht mehr überhört werden - auch das Klagen der Betroffenen nicht. Ein erster Schritt ist es, die Betroffenen für voll zu nehmen und die Gebiete in den Aktionsplan gegen Lärm aufzunehmen.

Gleichgültig
Ältere Mitmenschen werden sich erinnern: Die Steigerung der nächtlichen Verkehrsdichte auf dem Flughafen Köln / Bonn wurde "zu spät" genehmigt. Zu diesem Zeitpunkt war der Wohnungs- und Häuserbau in nicht allzu großer Entfernung von den Rollbahnen bereits vollzogen. Die wirklichen Schwierigkeiten bei der Genehmigung, nämlich die Formulierung entsprechender Auflagen zum Schutz der Bürger, wurden nicht bewältigt. Zurückliegend haben sich Politiker damit einen Namen gemacht, Gutachten über den gesundheitsschädigenden Lärm und Proteste der Anwohner zu negieren. Nicht zu leugnen dagegen sind erhebliche nächtliche Flugmotoren- und Düsengeräusche. Unbestritten ist weiterhin, dass die Gesetzgebung über den Luftverkehr auch die Regelung des Lärmschutzes umfasst. In Berlin oder Düsseldorf meint man aber, nicht in der Pflicht stehen zu können, sondern gleichgültig den Folgeerscheinungen von Personen- und Frachtflügen entgegensehen zu dürfen. Verantwortliches Handeln sieht anders aus.