Hoffen auf leise Maschinen

Rhein-Berg-Online vom 4.12.2007

Rhein-Berg - Alle Gewalt liegt bei Verkehrsminister Oliver Wittke: Er entscheidet, ob die bestehende Nachtflugregelung, die bis 2015 gilt, bis 2030 verlängert wird. Für viele Bürger heißt das: Wittke bestimmt auch über ihre Nachtruhe. Weil der Kreistag das nicht zulassen will, trafen sich am Montag verschiedene Ausschüsse zu einer Sondersitzung. Vertreter der lärmgeplagten Bürger und des Flughafens stellten ihre Standpunkte dar.

Wolfgang Hoffmann von der Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln / Bonn (LSG) dokumentierte die Ausmaße des Fluglärms mit einem umfangreichen Zahlenwerk: Demnach werden die Anwohner in der Nacht mit einer Lautstärke von durchschnittlich 65 Dezibel gestört. Exakt 37 818 Maschinen frequentierten den Flughafen im Jahr 2006 zwischen 22 und sechs Uhr. „Wir wollen, dass der Flughafen weiterleben kann, aber mit den besten Flugzeugen“, forderte Hoffmann. Die Fluggesellschaften sollten Krachmacher ausmustern und moderne, leise Maschinen einsetzen.

„Am Gängelband“

„Ich bin überrascht, dass sich Bund und Land gezielt am Gängelband des Flughafens herumführen lassen“, kommentierte Walter Bieber vom Flughafen Hoffmanns Ausführungen ironisch, bevor er die wirtschaftliche Notwendigkeit der Nachtflüge erläuterte: Weil DHL und Lufthansa Cargo nach Leipzig ziehen, stünden in Köln / Bonn 1000 Arbeitsplätze auf dem Flughafen und weitere 1000 im Umland auf dem Spiel. Deshalb sei es wichtig, dass FedEx seinen Betrieb auf dem Flughafen ab 2010 ausweiten kann. Trotzdem würden dauerhaft rund 5000 nächtliche Frachtflüge im Jahr wegfallen. Noch dazu werde FedEx ein neues, leises Modell des Flugzeugtyps Boeing 777 einsetzen, erklärte Biebers Kollege Martin Partsch.

Über den Resolutionsantrag, in dem die Fraktionen von Grünen und UWG / BfB von Wittke fordern, Kommunen und Fluglärmkommission bei seiner Entscheidung einzubeziehen, wird am 13. Dezember im Kreistag beraten. Auf höherer Ebene scheint die Verlängerung der Nachtflugregelung bereits entschieden. Der Einsatz der Boeing 777 sei eine „vernünftige Nachricht“, kommentierte der CDU-Landtagsabgeordnete Holger Müller und verwies auf das vom Landtag verabschiedete 22-Punkte-Programm, das den Lärmschutz ausreichend regele. Wie der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Stähr schon zu Beginn der Sitzung angedeutet hatte: „Unsere Zuständigkeiten sind begrenzt.“

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