FLUGLÄRM - „Das Ohr schläft nicht“
Rheinischer Merkur vom 05.08.2010
- VON JOHANNES SCHMITZ

Wenn Jets in geringer Höhe über Wohngebiete donnern, gleicht ihr Geräuschpegel dem eines Presslufthammers. Unter Nachtflügen leiden Airport-Anrainer besonders. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen nehmen zu.

TIEFFLIEGER: Eine Maschine nähert sich Berlin-Tegel. Die Anwohner können sich auf 2012 freuen. Dann soll der Großflughafen Berlin-Brandenburg fertig sein und Tegel schließen. Unten: „Vor allem in den Abendstunden ist es lästig“, klagt Thomas Salcedas. Er wohnt mit seiner Familie unweit des Köln-Bonner Flughafens.

„Wenn ich im Sommer nachts aufwache und das Fenster ist offen, dann schlafe ich schlecht wieder ein.“ Die 16-jährige Melina wohnt mit ihren Eltern und ihren zwei Geschwistern in Siegburg bei Bonn. Schon auf dem Weg zum Haus der Familie, das in einem großzügig bebauten Wohnviertel liegt, wird klar, warum viele Menschen hier nicht gut schlafen können. Denn wenige hundert Meter über den Dächern schiebt sich alle paar Minuten ein Jet in die Stille, unterwegs zum 15 Kilometer entfernten Flughafen Köln-Bonn. Als Fluglärmopfer sieht sich Melina aber nicht. „Ich kenne das gar nicht anders.“ Ihre Eltern sehen das nicht so gelassen. „Vor allem in den Abendstunden ist es lästig“, findet der 42-jährige Thomas Salcedas. Seine Frau Martina ergänzt: „Wenn man im Sommer auf der Terrasse sitzt, muss man manchmal alle zwei Minuten das Gespräch unterbrechen.“ Denn die Flugzeuge über Siegburg verursachen am Boden teilweise Lärmwerte von über 80 Dezibel, was der Lautstärke eines Presslufthammers entspricht. Der 13-jährige Fabio Salcedas berichtet von Nächten, in denen er trotz geschlossenen Fensters nicht gut einschlafen könne.

Mit dem Motto „Kein Nachtflug – unsere Kinder brauchen Schlaf“ positioniert sich 600 Kilometer weiter östlich im Süden Berlins die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow zu demselben Thema. Der Ort liegt unter der Flugschneise des Flughafens Berlin-Schönefeld, der für mehr als zwei Milliarden Euro zum Airport Berlin Brandenburg International ausgebaut wird und unter diesem neuen Namen im Sommer 2012 eröffnet werden soll. Nach weiteren Ausbauten wird der Flughafen ab 2020 bis zu 360.000 Flugbewegungen pro Jahr bewältigen können. Derzeit seien es rund 68.000, sagt Ortwin Baier, Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow. Er kämpft dagegen, dass „40.000 Menschen verlärmt werden“. Etwas weniger stark seien 80.000 weitere Menschen im Süden Berlins betroffen.

Flughafensprecher Leif Erichsen verweist darauf, dass mehrere Hunderttausend Menschen in Berlin durch die Schließungen von Tegel und Tempelhof von Lärm entlastet würden. Aber die neue Startbahn reiche bis auf 400 Meter an die Wohnbebauung heran, kritisiert Baier. Die Jets würden in Zukunft eine Schule in seiner Gemeinde in einer Höhe von rund 180 Metern überfliegen. Und das jede Minute. Zwischen null und fünf Uhr darf an dem neuen Großflughafen allerdings nicht mehr geflogen werden. Dies hat das Oberverwaltungsgericht in Leipzig entschieden. Doch diese Kernruhezeit rund um Schönefeld reicht vielen Anwohnern nicht. Sie wollen zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens keinen Fluglärm.

Davon wagen die Anwohner des Konrad-Adenauer-Flughafens zwischen Köln und Bonn noch nicht einmal zu träumen. Derzeit ist der Airport nahe der ehemaligen Bundeshauptstadt zwischen null und fünf Uhr der lauteste in ganz Europa. Mit durchschnittlich 62 Starts und Landungen innerhalb dieser fünf Stunden kann von einer Kernruhezeit keine Rede sein. Besonders in den Ferienmonaten kann es zu weit mehr als 100 Flugbewegungen in der tiefen Nacht kommen. „Warum sind die meisten Billigflieger hier versammelt? Weil sie hier 24 Stunden tags und nachts fliegen können“, empört sich Klaus Stich. Der 69-Jährige ist Vorsitzender der Lärmschutzkommission am Köln-Bonner Airport, die das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium beraten soll. Doch als die mittlerweile abgewählte schwarz-gelbe NRW-Landesregierung die Genehmigung der Nachtflüge bis in das Jahr 2030 verlängert hat, wurde die Kommission nicht gehört. Klaus Stich schläft selbst unter Fluglärm. „Ich wache zwar nicht auf, fühle mich morgens aber müde und unausgeschlafen.“ Ein wenig Entlastung haben ihm und den anderen bis zu 400 000 Betroffenen in und um Köln die neuen Regierungsparteien SPD und Grüne versprochen. Sie wollen so bald wie möglich ein Nachtflugverbot für Passagierflüge durchsetzen. Die Frachtflüge gelten allerdings als wesentlich lauter.

Wie Klaus Stich geht es vielen Menschen. Man muss nicht vom nächtlichen Fluglärm aufwachen, damit er die Gesundheit schädigt. „Das Ohr schläft nicht“, sagt die Ärztin Gerda Noppeney. Immer wieder tauchten in ihrer Praxis südlich von Köln Patienten auf, die unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen litten, mehr als es statistisch gesehen hätten sein dürfen. Im Gespräch mit Kollegen stellte sich heraus, dass diese ähnliche Erfahrungen machten. Rund 60 Mediziner in der Region beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen und befragten auf eigene Faust 1120 ihrer Patienten. 81 Prozent der Befragten sahen einen Zusammenhang zwischen ihrer Krankheit und der Tatsache, dass sie nachts im Bett den Lärm startender und landender Flugzeuge hörten.

Als Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf beauftragten die Mediziner den Epidemiologen Eberhard Greiser mit einer Studie. Greiser nutzte die Daten von mehr als 800 000 gesetzlich Versicherten aus dem Großraum Köln und stellte in seiner im Jahr 2006 vorgelegten Arbeit fest, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Ausmaß des nächtlichen Fluglärms und der Menge der verordneten Blutdrucksenker gebe. Besonders stark wirke sich der Lärm zwischen drei und fünf Uhr nachts aus. Aus diesen und den Ergebnissen anderer Studien leitet Noppeney klare Forderungen für die Grenzwerte des Fluglärms ab: Der Dauerschallpegel dürfe tags nicht über 60 Dezibel liegen und nachts nicht über 50 Dezibel, gemessen jeweils außen an den Häusern. „Um aber empfindlichere Gruppen wie Kinder, Ältere und chronisch Kranke zu schützen, sind Vorsorgewerte von 55 Dezibel Dauerschallpegel am Tag und 45 während der Nacht anzustreben.“ Das geltende Recht ist davon weit entfernt. Für die Nacht gilt der Grenzwert von 55 Dezibel Dauerschall, was der Geräuschkulisse einer laut geführten Unterhaltung entspricht.

Die Dezibelzahlen gehören zur Debatte um die Folgen des nächtlichen Fluglärms und sind doch nur bedingt aussagefähig. Denn was nützt ein in der Summe der Lärmereignisse gemäßigter Dauerschallpegel, wenn der Schlaf mehrmals in der Nacht durch extrem laute einzelne Flieger unterbrochen wird? Professor Greiser hat mittlerweile zwei weitere Studien vorgelegt. Dazu hat er die Krankenkassendaten von mehr als einer Million Menschen aus Köln sowie zwei angrenzenden Landkreisen untersucht. Sein Ergebnis: Nächtlicher Fluglärm erhöhe mit Zunahme des Schallpegels das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine Depression zu bekommen. Für Frauen steige zudem das Brustkrebsrisiko.

Unter zu hohem Blutdruck leidet auch das Siegburger Rentnerpaar Heinz und Marlies Kuhl. Der 66-Jährige erzählt, er lege sich jeden Nachmittag hin, um den durch Fluglärm verlorenen Nachtschlaf nachzuholen. Betablocker musste auch der Mann von Ingrid Schreiber aus Köln-Rath-Heumar nehmen. Ende letzten Jahres ist er gestorben – an Herzversagen. „Er war sehr mitgenommen vom Fluglärm“, erzählt die 68-Jährige von den letzten Jahren ihres Mannes, „er sah morgens aus, als hätte ihn ein Geist vors Knie getreten.“ Auch sie selbst leide unter der Lärmkulisse über ihrem Schlafzimmer. „Ich werde jede Nacht gegen zwei Uhr geweckt, und wenn nicht, dann spätestens um vier Uhr“, berichtet sie. Früher versuchte sie es mit Ohrstöpseln, dann mit Schnaps. Jetzt ziehe sie sich die Bettdecke über den Kopf, rolle sich regelrecht ein. Doch der Lärm dringe durch. Als die Aschewolke aus Island den Flugverkehr lahmlegte, konnte sie durchschlafen. Ansonsten gibt es für die Rentnerin keine stille Nacht. Mitte der 1970er-Jahre zog Ingrid Schreiber mit ihrem Mann in das Reihenhaus in jenem Kölner Vorort, der nah am Flughafen und mitten unter der Flugschneise liegt. Dass der Flughafen nachts einmal der lauteste in ganz Europa werden würde, ahnte noch niemand.

Erst seit 1986, als der Logistikriese UPS an den Flughafen kam, begann eine regere Nachtflugtätigkeit, wie Walter Römer, der Sprecher des Köln-Bonner Flughafens, erklärt. Er rechnet vor, dass bundesweit etwa 13 000 Arbeitsplätze von den Nachtflügen des Airports abhingen. Rund 400 sollen direkt am Flughafen in den kommenden Monaten hinzukommen, wenn der Logistikkonzern Fedex sein Umschlagzentrum für Zentral- und Osteuropa in Betrieb nimmt. Anfangs sollen neun Nachtflüge pro Woche stattfinden, erklärt der Konzern. Doch die Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, befürchten Schlimmeres. „In der Fedex-Flotte gibt es den schlimmsten Krachmacher: die MD-11“, sagt Klaus Stich.

Stich und viele andere Betroffene sind der Auffassung, dass es kaum Fracht und Personen gebe, die nachts zwingend von einem deutschen Flughafen starten oder dort landen müssten. Doch Fedex etwa will nicht auf Flüge zu nachtschlafender Zeit verzichten: „In der heutigen globalisierten Wirtschaft sind Nachtflüge unverzichtbar“, heißt es aus der Pressestelle. Insbesondere in Deutschland mit seiner hohen Exportquote seien die Nachtflüge ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor – „mit wachsender Bedeutung“.

Doch nicht nur große Konzerne wie Air Berlin, Germanwings, UPS oder Fedex genießen durch nächtliche Flüge einen wirtschaftlichen Vorteil. Auch mittelständische Firmen wie die Incom Storage GmbH in Bonn wissen zu schätzen, dass sie vormittags Waren erhalten, die sie am Tag zuvor in den USA oder einem asiatischen Land bestellt haben, um sie möglichst schnell an ihre Endkunden ausliefern zu können. Geschäftsführer Bernd Frackenpohl: „Wenn der Kunde etwas bestellt, will er das am nächsten Tag auf dem Tisch haben.“ Die Firma vertreibt Hard- und Software zur Archivierung von Daten. „Durch die Nachtflüge haben wir eine geringere Lagerhaltung“, erklärt er. Das spare Geld. Die Flugpause durch die Aschewolke über Europa habe auch seine Firma getroffen. „Wir haben eine Woche lang nicht ausliefern können, weil die Ware aus China nicht nach Frankfurt kam.“ Ohne Nachtflüge würden manche internationale Kunden nicht bei ihm bestellen, sondern in ihrem Land.

Der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften sieht ebenfalls keine wirtschaftliche Alternative zu den Nachtflügen. Als das Verwaltungsgericht Kassel dem Frankfurter Flughafen vorschrieb, 17 Flugbewegungen pro Nacht seien zu viele, vertrat der Verband die Auffassung, die Umstände, die zu dem Urteil geführt hätten, seien investitionsfeindlich. Dass sie ihre Nachtflüge derart beschränken sollen, wollen die Betreiber des Frankfurter Flughafens nicht hinnehmen. Sie sind in Revision gegen das Urteil aus Kassel gegangen. Die vom Fluglärm Betroffenen fürchteten zunächst, die Bundesregierung könnte den deutschen Flughäfen noch vor dem letztinstanzlichen Urteil aus Leipzig einen gesetzgeberischen Freibrief für Nachtflüge ausstellen, vor allem mit Blick auf Frankfurt. Denn laut Koalitionsvertrag sollen „international wettbewerbsfähige Betriebszeiten“ sichergestellt werden. Die Berliner Koalition will aber noch abwarten, was das Bundesverwaltungsgericht zu den Frankfurter Nachtflügen sagt. Viele Lärmgegner sehen dieses Zögern zwar als Teilerfolg ihrer Bemühungen an, fürchten aber dennoch, dass CDU und FDP eine Gesetzeslage schaffen wollen, die Nachtflüge ohne große Einschränkungen erlaubt.

Betroffen vom Frankfurter Flughafen fühlt sich zum Beispiel der Elektroingenieur Berthold Fuld. Er wohnt 20 Kilometer vom Airport entfernt. „Ich wache nachts vor allem von landenden Interkontinentalflügen auf“, berichtet er. Rund um Frankfurt sei es besonders schlimm, weil die Flugzeuge dort über eine Strecke von rund 60 Kilometern in 1500 bis 2400 Meter Höhe über die besiedelten Gebiete flögen, so Fuld. Insgesamt seien 1,2 Millionen Menschen vom Fluglärm betroffen, sagt das Mitglied der Fluglärmkommission am Frankfurter Flughafen. Den wirtschaftlichen Argumenten der Flughafenbetreiber hält er entgegen: „Das sind die Interessen nur einer Branche. Aber die Gesamtwirtschaft hat ein Interesse an der Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter.“ Die aber werde durch den nächtlichen Fluglärm gemindert.

Die Stadt Siegburg sowie einige andere Städte und Gemeinden haben beim Oberverwaltungsgericht in Münster Klage dagegen eingereicht, dass nachts am Kölner Flughafen bis zum Jahr 2030 unbeschränkt geflogen werden darf. Die Klage stützt sich auch darauf, dass es für diesen Airport nie ein Planfeststellungsverfahren gab, in dessen Verlauf die vom Lärm geplagten Anwohner Einwände hätten vorbringen können. Das liegt an der Geschichte des Flughafens, der sich vom Nazi-Fliegerhorst über einen britischen Militärflughafen zum großen Verkehrs- und Frachtflughafen entwickelt hat. „In Salamitaktik“, wie Klaus Stich von der Köln-Bonner Fluglärmkommission bitter bemerkt. Außerdem überschnitt sich der Bau der großen Landebahn mit der Einführung der Planfeststellungsverfahren im Zuge des Luftverkehrsgesetzes, das 1959 in Kraft trat, wie Helmut Breidenbach, Vorsitzender der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, erläutert. Und dann habe die Kohl-Regierung nach der Wiedervereinigung in Paragraf 71 des Luftverkehrsgesetzes alle bestehenden Flughäfen als plangestellt eingestuft.

Wie für Köln gibt es auch für den Leipziger Flughafen eine Betriebsgenehmigung rund um die Uhr. Im Gegensatz zu Köln dürfen nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes Passagiermaschinen in Leipzig zwischen 23.30 und 5.30 Uhr aber nicht starten und landen. Zwischen 22 und sechs Uhr morgens gibt es dort rund 50 Flüge. Vor allem für den Logistikkonzern DHL und damit für den ganzen Wirtschaftsstandort seien sie wichtig, erklärt Flughafensprecher Uwe Schuhart. In den vergangenen fünf Jahren seien 2400 neue Arbeitsplätze am Leipziger Airport entstanden. Anwohner, die unter Fluglärm leiden, versuchen unterdessen weiter, sich gegen die Nachtflüge zu wehren.

Um die Richter davon zu überzeugen, dass nächtlicher Fluglärm krank macht, setzen viele Kläger auch auf die Erkenntnisse von Professor Greiser. Das wissen auch die Flughäfen. Breidenbach zitiert aus internen Unterlagen des Flughafenverbandes ADV vom September 2008: „In der jüngeren Vergangenheit ist zu beobachten, dass verschiedene Fluglärmgegner, insbesondere die Bundesvereinigung gegen Fluglärm, eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern dazu motivieren, sehr kritische Gutachten zu Fluglärmwirkungen vorzulegen.“ Die Flughafenbetreiber hätten die Sorge, „dass eine Verschiebung der Wahrnehmung nicht im öffentlichen Raum, sondern auch vor Gericht beziehungsweise im politischen Raum stattfindet“. Kritische Mediziner wie Greiser werden vom Flughafenverband als zunehmend gefährlich für das eigene Geschäft eingestuft. Daher versuchen die Flughäfen, mit Gegengutachten die Arbeit des Epidemiologen aus den Angeln zu heben. Maria Blettner von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Erich Wichmann vom Helmholtz-Zentrum München halten Greisers Arbeit über den Zusammenhang von nächtlichem Fluglärm und Krebserkrankungen für „wissenschaftlich nicht belastbar“.

Greiser selbst wünscht sich, dass seine Ergebnisse von Fachkollegen in eigenen Studien verifiziert werden. Denn während er den Zusammenhang von Fluglärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen für hineichend erwiesen hält, müsse vor allem überprüft werden, inwieweit nächtlicher Fluglärm die Körper von Frauen derart schwächen könne, dass sie Brustkrebs bekommen könnten. Dabei müssen die Betroffenen selbst noch nicht einmal merken, dass der Lärm sie schädigt. Denn der Krach kann laut Greiser den Organismus auch im Schlaf so stressen, dass die Abwehrkräfte geschwächt werden. Deshalb ist Thomas Salcedas nicht wirklich beruhigt, wenn seine Kinder und seine Frau sich nicht als Fluglärmopfer sehen. „Wir brauchen europaweit eine Kernruhezeit“, fordert er, da er weiß, dass die deutschen Airports sich keinen Wettbewerbsnachteil leisten können. Ganz ohne Hoffnung ist er nicht. Beim Umweltschutz und den Rechten der Nichtraucher habe es auch gedauert, bis die Politik endlich gehandelt habe. Doch bis dahin wird seine jüngste Tochter Emilia weiterhin von Fluglärm geweckt, wenn sie nachts bei offenem Fenster schläft. Die Sechsjährige hat jedoch ihre eigene Strategie dagegen entwickelt, wenn die Jets sie aus dem Schlaf holen: „Dann gehe ich ins Schlafzimmer zu Mami und Papi.“

© Rheinischer Merkur Nr. 31, 05.08.2010