FedEx verspricht 450 Jobs

Kölner Stadt-Anzeiger vom 07.08.07

Köln - Das Frachtflugunternehmen FedEx wird 2010 sein Drehkreuz für Zentral- und Osteuropa vom Frankfurter Flughafen nach Köln / Bonn verlegen und dort 450 neue Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig kündigte Kölns Flughafenchef Michael Garvens gestern an, schon jetzt bei der Landesregierung die Verlängerung der 2015 auslaufenden Nachtflugregelung zu beantragen, die zwischen 23 Uhr und 6 Uhr Flüge aus der Wahner Heide ermöglicht. Beide Vorhaben stoßen sowohl bei den Grünen im Landtag als auch bei der Lärmschutzgemeinschaft auf massive Kritik: Sie befürchten eine noch größere Lärmbelästigung für die Anwohner.

Die Kooperation mit FedEx, für Garvens "ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Flughafens", hilft dem Airport in einer "schwierigen Ausgangslage". Ende des Jahres ziehen die Frachtunternehmen DHL und Lufthansa Cargo ein jährliches Frachtvolumen von rund 215 000 Tonnen sowie 800 Arbeitsplätze nach Leipzig ab, der neue Partner könnte "zwischen 25 und 35 Prozent" dieses Verlustes ausgleichen.

FedEx wiederum sah sich "durch Kapazitätsengpässe und das drohende Nachtflugverbot" in Frankfurt zur Suche nach Alternativen gezwungen, so Michael Mühlberger, der für das Zentral- und Osteuropageschäft zuständige Manager. Mit Köln / Bonn habe man "den besten Standort" gefunden. Dort soll bis 2010 auf einer Fläche von mehr als 50 000 Quadratmetern ein neues Fracht- und Sortierzentrum entstehen, für das der Flughafen nicht mehr benötigte Gebäude abreißt.

70 Millionen werden investiert

Beide Partner investieren nach eigenen Angaben rund 70 Millionen Euro in das Projekt. Vermutungen, der Ansiedlung von FedEx sei durch Subventionen nachgeholfen worden, wies Garvens zurück: "Nicht ein müder Cent" sei geflossen.

Überhaupt nicht glücklich über den von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) ausdrücklich begrüßten Vertragsabschluss sind die Nachtflug-Gegner. Die Ansiedlung von FedEx sei "ein brutaler Schlag" gegen Anwohner, schimpft der Vorsitzende der Lärmschutzgemeinschaft, Helmut Breidenbach. Der Flugzeugtyp MD-11, den das Frachtunternehmen einsetze, zähle unter den im Nachtflug erlaubten Maschinen zu den "wirklichen Krachmachern". Breidenbach fordert ein Flugverbot zwischen 0 Uhr und 5 Uhr.

Garvens und Mühlberger weisen die Vorwürfe zurück. DHL und Lufthansa Cargo absolvieren laut Garvens derzeit im Schnitt 130 Nachtflüge pro Woche - hinzu kommen die Starts und Landungen von UPS. FedEx werde ab 2010 nur 18 seiner 60 wöchentlichen Flüge in die Nachtstunden legen. Der Flughafen-Chef räumte allerdings ein, dass bei einer Expansion der Frachtfirma mit zusätzlichen Flügen zu rechnen sei. Spekulationen, sein Unternehmen werde Frachtflüge aus Paris nach Köln / Bonn verlegen, trat Mühlberger entgegen: "Das ist nicht beabsichtigt." Für Horst Becker, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, ist die Debatte um die künftige Nachtflug-Regelung ein "Schmierentheater": Er unterstellt, der Umzug von FedEx sei "nur unter der Bedingung einer Verlängerung" erfolgt.

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