aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 25.06.2005

Kein Geld für ein Gegengutachten

VON MALTE EWERT, 24.06.05, 17:40h

Die „Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf“ wird ohne einen Zuschuss aus Rhein-Berg auskommen müssen, um eine Studie über den Nachtfluglärm zu erstellen.

Rhein-Berg - Der Zusammenschluss von anerkannten Medizinern hat sich vor einigen Jahren im Rhein-Sieg-Kreis gegründet und sich schon oft zu Wort gemeldet, wenn es um die Auswirkungen des Nachtflugs geht.

Die Ärzte berichten immer wieder von Patienten, bei denen gestörte Nachtruhe zu eindeutigen Krankheitsbildern geführt habe. Eine groß angelegte Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Porz brachte im März 2004 jedoch keine Hinweise auf eine derartige Häufung. Die Ärzte zweifeln diese Ergebnisse an und wollen nun mit einem Gegengutachten ihre Thesen untermauern.

Das Bremer Institut für Epidemiologie soll die Untersuchung führen. Das kostet natürlich Geld - von 120 000 Euro ist die Rede. Die Grünen in Rhein-Berg hatten deshalb den Antrag in den Kreistag eingebracht, die Studie mit dem Betrag von 10 000 Euro zu unterstützen. Denn die Ergebnisse seien nicht nur für die Menschen im Rhein-Sieg-Kreis relevant, sondern für die gesamte Region rund um den Airport Köln / Bonn.

Eine Abflugschneise führt bekanntlich auch über den Rheinisch-Bergischen Kreis hinweg. Viele Menschen in Rösrath, Forsbach, im gesamten Sülztal und in Bensberg / Frankenforst leiden unter dem Nachtfluglärm.

Der Kreistag lehnte die finanzielle Unterstützung jedoch ab - mit den Stimmen von CDU, FDP und UWG. Rainer Deppe (CDU) war der Meinung, dass die ausführliche Studie der DLR völlig ausreiche, um eine eventuelle Verbindung zwischen Nachtflug und Krankheiten abzuklären: „Wir brauchen jetzt kein neues Gutachten.“ Martin Stähr (FDP) führte an, dass es sich bei den 10 000 Euro um eine freiwillige Ausgabe handele.

Der Kreis befinde sich aber in einem Haushaltssicherungskonzept, das neue freiwillige Leistungen verbiete: „Wir müssen lernen, in dieser Sache konsequent zu sein.“

Auch Kreiskämmerer Udo Wasserfuhr hatte Hinweise in diese Richtung abgegeben: „Es handelt sich um eine zusätzliche Ausgabe. Die wird nicht durchgehen.“

Die SPD unterstützte allerdings die Grünen. Fraktionschef Gerhard Zorn: „Ich halte eine neue Studie für sinnvoll, weil sie im Interesse unserer Bürger liegt. Die DLR ist eine Bundesbehörde. Es ist doch klar, dass sie sich nicht an die Spitze einer Bewegung gegen den Nachtflug stellen wird, zumal auch der Bund am Flughafen beteiligt ist.“ Rainer Deppe warf Zorn daraufhin „Populismus“ vor. Die DLR sei „über jeden Zweifel erhaben“.

Diese Aussage löste bei Udo Klemt (SPD) geradezu einen Wutausbruch aus. „Die CDU sollte endlich die Maske abnehmen und zugeben, dass sie der Schlaf der Bürger nicht interessiert“, entrüstete sich der designierte Bundestags-Kandidat. Auch Eymelt Sehmer (Grüne) verurteilte die Haltung der Christdemokraten: „Ihre Parteikollegen in Rhein-Sieg haben sich doch gerade für einen Zuschuss ausgesprochen.“ Es half nichts mehr. Mit Mehrheit lehnte der Kreistag eine finanzielle Beteiligung ab.