Geschichte, Aktivitäten und Forderungen der
"Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf "


1. Die auslösende Idee und ihre Vorgeschichte

Lärm macht krank! Das ist durch zahlreiche Studien belegt.
Viele Mitbürger im Einzugsbereich des Flughafens Köln-Bonn müssen das am eigenen Leibe erfahren. Dafür sprechen die Klagen in den Arztpraxen.

Robert Koch hat Recht behalten mit seiner Prognose von 1910:

"Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen,
wie die Cholera und die Pest"

Der nächtliche Fluglärm ist zu einer Geißel unserer Zeit mitten im Lebensraum des Menschen geworden. Zeitgleich mit dem steigenden (Nacht-)-Flugaufkommen am Köln-Bonner Airport Mitte der 90-er Jahre häuften sich die Klagen der Patienten über zunehmende Schlafstörungen. Mit der Erweiterung des Leistungsangebots zum Frachtguttransport der letzten und kommenden Jahre ist das Ausmaß der fluglärmbedingten gesundheitlichen Störungen auch nicht annähernd abzuschätzen. Während die meisten europäischen Flughäfen mit Nachtflugverboten belegt sind, öffnet sich der Köln-Bonner Flughafen weiter rund um die Uhr für 168 Std./Woche.

Die fluglärmbedingte Zuspitzung war Anlass dafür, im Jahr 2000 erstmals auch in Deutschland die Belästigung der Bevölkerung nach international vereinbarten Standards zu erfassen. Das Ergebnis lautet: "Fluglärm stellt eine größere Stör- und Belästigungswirkung dar als Straßen- und sonstiger Lärm."

Ein Grundbedürfnis des Menschen, nämlich das auf Nachtruhe,
ist nicht erst in Gefahr, sondern schon jetzt nachhaltig gestört
und dies mit Folgen für die Gesundheit.

Wir Ärztinnen und Ärzte fühlen uns herausgefordert und zum Handeln verpflichtet.


2. Verlauf und bisherige Aktivitäten

Mai 2001
30 Ärztinnen und Ärzte unterschreiben eine Resolution an den Ärztekammerpräsidenten und bitten diesen um Unterstützung.

Oktober 2001
Das Rheinische Ärzteblatt stellt die Initiative erstmals vor unter dem Titel: "Ärzte kämpfen gegen Fluglärm", weiterhin erfolgen dort regelmäßig Hinweise auf unsere Veranstaltungen.

November 2001
Die Ärzteinitiative ist unter www.aefusch.de im Internet vertreten

16.02.2002
Der Präsident der Bundesärztekammer, Herr Prof. Dr. Hoppe, begleitet unser erstes wissenschaftliches Symposium.
· Herr Prof. Uhlenbruck berichtet über Auswirkungen des Lärms auf das Immunsystem
· Erzielen eines erfreulichen Presse-Echos: "Ärzte greifen zu ihren Waffen"
· Kontaktaufnahme zu anderen Ärzteinitiativen, Behörden, Universitätsinstituten und Wissenschaftlern

09.04.2003
Das zweite wissenschaftliche Symposium beschäftigt sich mit dem Thema: "Lärmbedingte Schlafstörungen, ein Zukunftsthema von Lärmwirkungs- und Schlafmedizinforschung"

Es erfolgen wichtige Stellungnahmen / Pressemitteilungen der Ärzteinitiative:

01.04.2003
Stellungnahme zur Teilauswertung der DLR-Studie
zu Nachtfluglärmauswirkungen zum Teilbereich der Stresshormone

01.04.2004
Pressemitteilung der Ärzteinitiative vom 01.04.04 zum Ergebnis der DLR - Studie "Leiser Flugverkehr" vom 17. 03. 04

22.07.2004
Stellungnahme der Ärzteinitiative zur DLR-Studie anlässlich der VCD-Tagung vom 16.07.2004 beim BMU: "Wie schädlich ist Fluglärm - die DLR-Studie in der Kontroverse"

06.09.2004
Stellungnahme zum Referentenentwurf vom 22.06.2004
zur Novellierung des Fluglärmgesetzes (die Bundesärztekammer hatte die Ärzteinitiative um eine Einschätzung gebeten)

weitere Stationen:

28.06.2004
die Ärzteinitiative erzielt den 1. Platz beim Wettbewerb um den AGENDAPREIS 2004 der Stadt Siegburg

17.03.2005
die "Ärzteinitiative" ist jetzt ein eingetragener, gemeinnütziger Verein
("Ärzteinitiative für ungestörtenSchlaf e.V.")

18.11.2006
Drittes medizinisch-wissenschaftliche Symposium der Ärzteinitiative
"Gesundheitsgefährdung durch Fluglärm - Ergebnisse epidemiologischer Untersuchungen".
Die von der Ärzteinitiative initiierte und von Prof. Greiser (Bremen) geleitete, weltweite größte Studie zum Zusammenhang zwischen Medikamentenverbrauch bzw. Erkrankungshäufigkeiten und (Nacht-) Fluglärm wird der Öffentlichkeit vorgestellt.
Das Presseecho ist bemerkenswert!


3. Perspektivische Überlegungen und Forderungen

Ist eine Idee mit Leben erfüllt, muss sie gleichwohl stets über den Tag hinaus weitergedacht und verfolgt werden. Dies ist um so wichtiger, als sich Kräftefelder abzeichnen, wo schon die bloße Existenz unserer Initiative als Bedrohung empfunden zu werden scheint.

Da wir jedoch nicht gegen, sondern für etwas (bislang Selbstverständliches, nämlich den ungestörten Schlaf) eintreten, ist zu fragen, wie wir als Ärzte für die betroffene Bevölkerung mehr Unterstützung - auch in den staatlichen Institutionen - erreichen können.

Unser Ziel ist es, medizinisches Wissen zum Thema (Nacht-)Fluglärm zu erarbeiten, zu sammeln und nachvollziehbar zu bündeln. Übergeordnet bedeutet dies, Wissenschaft, Forschung und Lehre in den Dienst am Menschen zu stellen. Mögliche Interessenkonflikte sind unvermeidlich und müssen öffentlich angesprochen, diskutiert und abgewogen werden. In solchen Prozessen bietet sich die Ärzteinitiative als gesundheitsorientierter Vermittler und Ratgeber allen demokratischen Gruppen an.

Für die Umsetzung der ersten Ergebnisse richten wir an die staatlichen Entscheidungsträger folgende Forderungen:

· Transparenz der Gesundheits- und Lärmmess-Daten auf allen Ebenen (Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Lärmmessstellen) und Aufzeigen ihrer Beziehungen zueinander.

· Wissenschaftliche Erörterung medizinischer Fragestellungen anhand des Screenings der Patientenbefragung. Medizinisch angelegte Untersuchungen, denen die aktuelle, reale Belastungssituation der Flughafen-Anlieger zugrunde liegt.

· Dialog zwischen sachverständigen Ärzten und den Verantwortlichen in der Landes- und Bundesregierung (Ministerien für Gesundheit, Umwelt und Verkehr)

· Nachtflugverbot (22.00 bis 6.00 Uhr) - zumindest eine mehrstündige Kernruhezeit (1.00 bis 6.00 Uhr) - in Verbindung mit der Einhaltung eines nächtlichen mittleren Lärmpegels von 32 dBA über die Nachtzeit von 8 Stunden.

· Umsetzung der Ergebnisse der Lärmwirkungsforschung aus präventivmedizinischer Sicht.

Wie geht es weiter?
Mit großer Sorge und Kritik betrachtet die Ärzteinitiative politische Entscheidungen, die Nachtfluglärm weiterhin zulassen bzw. ermöglichen, wie z. B. die Entscheidung zur Verlängerung der bisherigen Nachtflugregelung am Flughafen Köln-Bonn bis 2030!
Offensichtlich war die getroffene Entscheidung im Landtag NRW davon bestimmt, den Fluggesellschaften Planungssicherheit zu verschaffen.
Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die im Einzugsgebiet lebende Bevölkerung wurden bei dieser Entscheidung ignoriert.

Es bleibt schwer, zu hoffen, dass die berechtigten (gesundheitlichen) Bedenken - die u.a. in zahlreichen Resolutionen der betr. Kommunen ihren Ausdruck fanden - in naher Zukunft entsprechend gewürdigt werden. Nach den Urteilen des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig zum Bestand des Nachtflugverbots in Frankfurt und der abgeschmetterten Klage der Stadt Siegburg u.a. Kommunen um den CGN vor dem Verwaltungsgericht in Münster (beide 2012) bleibt die Rechtslage für den Köln/Bonner Flughafen schwierig.
Vor den anstehenden Neuwahlen am 13. Mai 2012 in NRW treibt der Wahlkampf hinsichtlich der Frage des "halbherzig" beschlossenen Nachtflugverbots für Passagierflieger sehr faule Blüten. Es wird larviert, hingehalten, taktiert und gelogen! Bereits kurz vor den Wahlen wirft man sich gegenseitig die Schuld für das offensichtlich bereits eingestandene Scheitern des Nachtflugverbots vor.

Bei solchen Praktiken der Lobbyisten in und außerhalb der etablierten politischen Parteien wundert es kaum noch, dass die "Piraten" so starken Zulauf finden.

Die Ärzteinitiative wird die Entscheidungsprozesse sorgsam weiterverfolgen und sich auch weiterhin auf allen Ebenen für eine gesundheitsverträgliche Lösung der Fluglärmproblematik einsetzen.