Am 21.Mai 2001 hatte sich die Ärzteinitiative gegründet.

Ärzteinitiative "Für ungestörten Schlaf" im Rhein-Sieg-Kreis
Mitteilung vom 28.05.2001 an die Kolleginnen und Kollegen


Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege,

Die Idee, auch aus ärztlicher Sicht auf die Gefahren hinzuweisen, die sich mit nächtlichem Fluglärm im Einzugsgebiet des Flughafens Köln/Bonn verbinden, ist Wirklichkeit geworden.

Unsere Gründungsveranstaltung am 21.05.2001 hat 31 Ärztinnnen und Ärzte zusammengeführt. Eine ebenso große Zahl ist hinzuzudenken, weil wir aus den Antworten auf unseren Einladungsbrief wissen, dass Sie und andere zumindest bereit sind, uns auf unserem weiteren Weg fördernd zu begleiten. Die kommende Zeit, die durch ein Wechselbad von Storming- bzw. Forming-Phasen führen wird, werden wir durchstehen, da sich für unsere Idee des Zusammengehens gute Voraussetzungen abzeichnen. Nach Victor Hugo ist nämlich nichts stärker als eine Idee, für die die Zeit gekommen ist. Dass Lärm und insbesondere Fluglärm zur Nacht einen Stressfaktor darstellt, darüber waren sich alle Anwesenden einig.

Herr Professor Uhlenbruck hat uns dann in seinem lebendigen Referat über die negativen Auswirkungen von Stress auf das lrnmunsystem berichtet.
Nachfolgend zitieren wir ihn stichwortartig:

Schließlich wurde in diesem Zusammenhang von Herrn Prof. Uhlenbruck gar der Begriff "Stress-Demenz" diskutiert.
Nach alldem sind wir der Überzeugung, dass wir als Ärzte verpflichtet sind, konkrete Schritte zum Wohle der Menschen dieser Region einzuleiten.
Als Grundlagen unserer weiteren Arbeit lassen wir Ihnen heute folgende Unterlagen zukommen:

1.) Pressenotiz über unsere Gründungsveranstaltung
2.) Presseveröffentlichungen der Ärztekammern von Rheinland Pfalz und Hessen
3.) Unseren Brief / Resolution an die Ärztekammer Nordrhein.
4.) Den überarbeiteten Fragebogen für die Befragungsaktion der Patienten in der Praxis

Am Montag, den 21 .05.2001, haben sich bereits 15 Kolleginnen und Kollegen entschieden, sich an der Patientenbefragung zu beteiligen.

Zu unseren Forderungen

Presse – Veröffentlichungen:

28.05.2001: Ärzte greifen zu „ihren Waffen“ gegen den Fluglärm

Nun sind es auch über 60 Ärztinnen und Ärzte des rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreises, die zum „Thema Fluglärm“ nicht mehr weiter schweigen wollen. Mit hoher Präsenz haben sie die Initiative „Ärzte für ungestörten Schlaf“ im Troisdorfer Canisius-Haus gegründet. „Zunächst“ wollen sie mittels eines Fragebogens im Kreise ihrer Patienten die medizinisch relevanten Daten zu gesundheitlichen Lärmschäden erfassen. Zu diesem Schritt haben sie bereits vorliegende „Erkenntnisse“ aktiviert, zu denen sie – oftmals zufällig – bei der Behandlung ihrer Patienten gelangt sind. Ziel ihres nun beschlossenen Fragebogens ist es, auf breiterer Patientenbasis ihre Erkenntnisse abzusichern.

Wichtige Impulse zur Bündelung dieses ärztlichen Wissens im Einzugsgebiet des Flughafens Köln / Bonn steuerte der international renommierte Professor Uhlenbruck, nunmehr emiritierter Ordinarius des Lehrstuhls für Immunologie an der Universität Köln, bei. Gleich zu Beginn seines Vortrages erinnerte er daran, daß der Begriff „Lärm“ sich von „A larm“ ableite, was wiederum zu dem Aufruf „greift zu den Waffen“ veranlasse: Diese Bildhaftigkeit durchzog seinen gesamten Vortrag, mit dem er die verheerenden Auswirkungen von Stress, speziell von Stress in der nächtlichen Ruhephase auf das Immunsystem darlegte. Seiner Überzeugung nach vermag solcher Stress sogar die Intelligenz von Kindern negativ zu beeinflussen. Sodann berichtete er auch von Versuchen, bei denen Ratten infolge Lärms ihre Überlebenskraft verloren.

Uhlenbruck erinnerte an den Spruch „Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf“. Mit dieser Psalmenaussage sei nichts anderes im Kern gesagt, als dass das Wesen der Menschlichkeit sich nur in der Ruhe entfalten könne. Hieraus folgerte Uhlenbruck: Wenn nun zu dem unvermeidbaren Alltagsstress der stressverursachende Nachtfluglärm hinzukomme, dann überfordere dies das Immunsystem des Menschen. Die Gefahr des Krankwerdens sei dann exorbitant hoch. Er ließ keinen Zweifel daran, dass der Lärm zur Nachtzeit eine Geißel sei, die - moralisch und ethisch - gesehen Ärzte nicht nur legitimiere, sondern gar verpflichte, zu „ihren Waffen“, nämlich den „medizinischen Argumenten“ zu greifen.

Hierzu ist die Ärzte-Initiative des Rhein-Sieg-Kreises entschlossen – auch in Kenntnis des Ausspruches von K. Tucholsky: „In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz (hier=Lärmgefahren) hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht“.

Mit einem Brief, der die Qualität einer Resolution hat, streben die Rhein-Sieg-Ärzte den Schulterschluss mit der Ärztekammer Nordrhein an. Auch von dieser Institution soll nun in Analogie zu Hessen und Rheinland-Pfalz per öffentlicher Erklärung auf „die fluglärmbedingten Gesundheitsgefährdungen im Rhein-Sieg-Kreis“ hingewiesen werden.


Pressemitteilung vom 30.08.2001

Am 20.08.01 fand im Canisiushaus in Troisdorf das zweite Treffen der Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf Rhein-Sieg statt, bei dem 15 Teilnehmer der laufenden Patientenbefragungsstudie über die bisherigen Zwischenergebnisse berichteten. Bei den 350 bisher ausgewerteten Fragebogen aus allen Kommunen des Rhein-Siegkreises mit den zahlenmäßigen Schwerpunkten Lohmar, Siegburg, Troisdorf, Porz, Hennef, Neunkirchen, berichteten die Betroffenen über eine Reihe gesundheitlicher Störungen (allem voran Schlafstörungen, Nervosität, Herzkreislauf-erkrankungen, Allergien, Depressionen, Tinnitus) und bejahten in ca. 85 % einen Zusammenhang mit dem Nachtfluglärm. Sogar 92 % der Befragten fühlten sich subjektiv beeinträchtigt durch die Nachtruhestörung. Ca. 80 % der Befragten befürworteten eine grundsätzliche Kernruhe seit, ca. 10 % eine bedingte, und 10 % waren nicht entschieden. In einem beachtlichen Prozentsatz (11 %) wurde das „Wegziehen“ aus der Region als letzte Lösung des Problems gesehen, ansonsten vorwiegend die Politik zum Handeln aufgerufen. Die Ärzte-Initiative beschloss, die Patientenbefragung bis Ende 2001 fortzuführen und bittet weitere Kolleginnen und Kollegen sich daran zu beteiligen. Das Endergebnis der Studie wird dann auf einem Symposion „Nachtfluglärm und Gesundheit“ am 16.02.2002 im Siegburger Stadtmuseum, an dem auch der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Prof. Dr. Hoppe, teilnehmen wird, sowie bekannte Lärmforscher, wie der Kölner Immunologe Prof. L. Uhlenbrück, der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden.

Im letzten Teil des Treffens berichtete RA. Seibert, der seit langen Jahren als Jurist in der Lärmschutzgemeinschaft Köln/Bonn tätig ist über den Stand der juristischen Verfahren insbesondere vor dem Bundesverwaltungsgericht, bei dem besonders die Berufung auf das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit Erfolgsmöglichkeiten biete.