Ärzte gegen Nachtflieger
aus der Bergischen Landeszeitung vom 01.09.2005

Von WALTER K. SCHULZ


RÖSRATH / RHEIN-BERG. Das Thema „Nachtfluglärm“ beherrschte die Sitzung des Rösrather Umweltausschusses gleich bei mehreren Tagesordnungspunkten.

„Lärm macht krank! Das ist durch umfangreiche Studien belegt.“ Mit dieser Aussage machen die „Ärzte für ungestörten Schlaf“ im Rhein-Sieg-Kreis und in Rhein-Berg mobil. Im Vorjahr wurde ihnen der „Agendapreis 2004“ von der Stadt Siegburg verliehen.

Während der Gladbacher Kreistag der Initiative, die jetzt eine epidemiologische Studie unter Leitung von Professor Greiser erarbeiten will, ohne große Wissbegierigkeit die kalte Schulter zeigte, lud die Stadt Rösrath die „AefuSch“ in eine Fachausschusssitzung ein. Vorstandsmitglied Dr. Heiner Mersmann (55), ein Rösrather, der als Kinderarzt im Stadt-Kölner Gesundheitsamt tätig ist, informierte. Mersmann hat selbst auf seinem Hausdach in Hoffnungsthal eine „private Messstation“. Von den veröffentlichten Flughafen-Lärmwerten hält er nicht viel: „Wenn da steht ,44 Dezibel im Monats-Mittel, dann ist ist das doch ohne Aussagekraft.“

Der Mediziner empfiehlt den Bürgern die Live-Daten der DFLD, aus denen man sich jeden Einzelschallpegel herausholen kann.

„Viele Mitbürger im Einzugsbereich des Flughafens Köln / Bonn“ müssten in zunehmendem Maße Auswirkungen des Fluglärms, speziell in der Nacht, buchstäblich „am eigenen Leibe erfahren“, sagt die Initiative: „Dafür sprechen die Klagen in den umliegenden Arztpraxen. Der nächtliche Fluglärm ist zu einer Geißel unserer Zeit mitten im Lebensraum des Menschen geworden.“ Als mögliche Folgen werden vor allem Herz- / Kreislauferkrankungen genannt. Man brauche nicht unbedingt vom Fluglärm aufzuwachen, um unter ihm zu leiden, sagte der Arzt. Auch unterschwellige Störungen im Schlaf könnten Auswirkungen haben. Zwischen 3 und 5 Uhr, also in einer „wichtigen Schlafphase“, gebe es massive Lärmereignisse. Vornehmlich ältere Menschen seien von den Auswirkungen betroffen. Die Forderung der Initiative: Nachtflugverbot beziehungsweise zumindest eine Kernruhezeit.

60 Ärztinnen und Ärzte unterschrieben im Mai 2001 eine Resolution an den Ärztekammerpräsidenten und baten um Unterstützung. Das Rheinische Ärzteblatt stellte die Initiative, die die Ergebnisse der großangelegten Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) durch „medizinisch-wissenschaftliche Stellungnahmen kritisch hinterfragte“, erstmals im Oktober 2001 vor.

Die DLR-Studie erfasse erwiesenermaßen über 70 Prozent aller Männer und Frauen nicht: „Menschen über 65 wurden gar nicht zugelassen. Und die Studie trifft keine Aussage zu einer Gesundheitsschädigung durch Nachtlärm.“

Unterdessen hat die Initiative den Eindruck, dass der Flughafen in Sachen Greiser-Studie „auf Zeit spielt“. Jetzt werde noch ein „weiteres wichtiges Gespräch in großer Runde“ vorgeschlagen, bevor man die notwendigen Daten liefern könne. In einem Gegengutachten, das vom Flughafen in Auftrag gegeben worden ist, zog Professor Wichmann dieses Fazit: „Die Daten der geplanten ökologischen Studie (Lärmpegelmesungen und Arzneimittelverodnungen) sind als objektiv anzusehen. Ich schlage vor, die Studie von Prof. Greiser ohne Einschränkung zu unterstützen. Die beim Flughafen Köln / Bonn vorhandenen Daten zum Fluglärm sollten zur Verfügung gestellt werden.“

www.aefusch.de