"Die Menschen sind hier empfindlicher"
Streit um Nachtfluglärm: 
Flughafen-Manager platzte im Hauptausschuss der Kragen

Aus der Bergischen Landeszeitung vom 14.09.2005
von WALTER K. SCHULZ

siehe auch Zwischenruf

RÖSRATH. Sind Menschen "im ländlichen Bereich empfindlicher als Bürger in der Großstadt"? Der Technische Geschäftsführer des Flughafens Köln / Bonn, Wolfgang Klapdor, stellte diese These am Montagabend im Rösrather Hauptausschuss auf, als es um den Punkt Flugrouten und Nachtlärm ging.

Wenn sich jemand außerhalb der festgelegten Lärmschutzzonen trotzdem noch stark gestört fühle, sollte er sich auf eigene Kosten Lärmfenster einbauen, sagte Klapdor: "So würde ich es machen. Das wäre es mir wert." Der Flughafen Köln / Bonn sei mit seinem Nachtflugbetrieb "lebensnotwendig für die Region". Er schaffe Arbeitsplätze und bediene die Wirtschaft in außergewöhnlichem Maße, argumentierte Klapdor, der den Eindruck hatte, dass den Politikern der Nachtflugbetrieb "irgendwie immer in Wahlkampfzeiten" aufstoße.

Wolfgang Klapdor wies den Eindruck, „dass es in Rösrath lauter geworden“ sei, zurück. Die Belastung habe sogar abgenommen. Vorsätzlich werde nicht von der Königsforst-Ideallinie abgewichen. Bei starkem Wind sei die Linie aber nicht immer genau einzuhalten. Sie werde aber „grob eigentlich immer von den meisten (Piloten) getroffen“. Abweichungen seien aber stets „im Toleranzbereich“. Die Lärmwerte für Bensberg und Forsbach seien „in etwa gleich“. Der Flughafen sei bestrebt, die Lärmbelastung so gering wie möglich zu halten, man versuche das Machbare, die Zahl der Nachtflüge habe nicht zu-, sondern eher abgenommen (bei einer Steigerung der Tonnage). Er sehe keine Benachteiligung für Rösrath. Gegen 100-Dezibel-Ereignisse durch alte russische Maschinen gehe man vor: „Das ist unerträglich, auch wenn sie tagsüber fliegen.“

Bürgermeister Dieter Happ wollte „dem Flughafen nichts“, er wolle ihn „nicht abschaffen“, die Arbeitsplätze seien wichtig. Ihm gehe es aber um die Einhaltung der Route: „In den letzten 14 Tagen ist es auch ruhiger geworden. Vielleicht liegt es an der Konsensrunde.“

Friedhelm Weiß (Die Grünen) fand, es sei bei der Route wie mit dem Abnehmen und dem Jojo-Effekt: „einmal lauter, einmal leiser.“ Das grundsätzliche Problem werde aber nicht vom Tisch geschafft.

Das von Klapdor angeführte Fanamos-System sei bis zu 400 Meter ungenau, kritisierte Dieter von Niessen (CDU): „Das ist erheblich. Änderungen werden immer zu Lasten der Stadt Rösrath vorgenommen.“ Dem Flughafen warf Niessen vor, er habe es noch nicht einmal nötig, sich bei Bürgerbeschwerden einmal zu melden. Jürgen Bachmann (SPD) sah es wie von Niessen: „Der Norden Forsbach ist sehr stark betroffen.“

Beifall fand Reinhold Drümmen (CDU) bei Wolfgang Klapdor mit seiner Feststellung, eine Rücknahme der augenblicklichen Route bringe „noch mehr Lärm“; nicht jede Änderung habe „zum Nachteil von Rösrath stattgefunden“. Klapdor hielt im Übrigen Dieter von Niessen vor, es gebe kein neueres System als Fanamos. Die Ungenauigkeiten lägen aber „nur bis zu 200 Meter, 400 Meter ist übertrieben“.

Als von Niessen von „nachweislichen Lärmereignisse bis 89 Dezibel, auch in Hoffnungsthal, das nicht im Bereich der Flugroute liegt“ sprach, platzte Klapdor der Kragen: „Weisen Sie mirs nach. Es wird Ihnen nicht gelingen. Machen Sie einen Termin mit meinem Büro.“

(KR)

ZWISCHENRUF