KStA vom 03.03.04

Angst vor mehr Nachtlärm durch die Billigflieger
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lughafen Köln / Bonn sieht keine rechtliche Grundlage für ein Verbot.

Köln - Eine Ausweitung des nächtlichen Fluglärms befürchten die Anwohner des Köln-Bonner Flughafens vom 1. April an. Dann werden neben den üblichen Frachtfliegern auch mehr Passagierflüge in den Nachtstunden abgewickelt: Die Billigflieger „Germanwings“ und „Air Berlin“ werden künftig 27-mal pro Woche zwischen 23 Uhr abends und fünf Uhr morgens in der Wahner Heide starten oder landen. „Nun ist der Damm gebrochen“, kritisiert Horst Becker, Mitglied der Fluglärmkommission und Bezirksvorsitzender der Grünen im Bezirk Mittelrhein. Der Kölner Flughafenchef Michael Garvens habe damit sein Versprechen gebrochen, Nachtflüge von Billigfliegern möglichst zu verhindern.

Der Köln-Bonner Flughafen bestätigte die Zunahme des nächtlichen Flugverkehrs, wies aber darauf hin, dass die Flüge überwiegend in den „Randzeiten“, also zwischen 23 und 1 Uhr stattfinden. Germanwings bringt vom 1. April an zwölfmal wöchentlich Urlauber aus Palma de Mallorca, Ibiza und Faro zurück. Die Jets landen also nur in Köln (was deutlich weniger Lärm verursacht als das Starten), und zwar zwischen 23.55 und 1.10 Uhr. Air Berlin landet zwischen 24 und 1.45 Uhr mit Fluggästen aus Teneriffa, Samos, Heraklion, Arrecife und Agadir. Die Gesellschaft bietet aber auch Abflüge zwischen zwei und fünf Uhr an, unter anderem nach Antalya, Fuerteventura, Korfu und Las Palmas. Die meisten der Starts und Landungen konzentrieren sich auf den Montag und Dienstag.

Flughafensprecher Walter Römer bekräftigte gleichwohl, dass der Flughafen „aus tiefer Überzeugung“ an seiner Selbstverpflichtung festhalte, Nachtflüge der Billigflieger möglichst zu vermeiden. Zu 98 Prozent werde dies auch eingehalten. Der Flughafen könne nächtliche Passagierflüge jedoch nicht grundsätzlich verbieten. Die Freigabe des Flughafens für den Nachtverkehr sei zwar vor allem für den Frachtverkehr gedacht, lasse aber keine Sonderbehandlung für den Passagierverkehr zu. Folglich gelten aber für diese Jets auch die gleichen Anforderungen zur Lärmbegrenzung wie für Frachtmaschinen.

Der Grünen-Politiker Horst Becker, der auch im Kreistag des Rhein-Sieg-Kreises sitzt, will die zusätzliche Belastung nun auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung der Fluglärmkommission setzen. Er befürchte nämlich, so Becker, dass im nächsten Jahr eine weitere Zunahme drohe, vor allem wenn der Flughafen die Bahn AG dazu bringen sollte, nächtliche ICE-Verbindungen über den neuen Flughafenbahnhof laufen zu lassen, der in diesem Frühsommer in Betrieb genommen werden soll.