aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 06.08.02

Kölns Partner läge so nahe
Kölner OB will auch Gespräche mit Frankfurt
VON LUTZ FEIERABEND, 05.08.02, 20:01h, aktualisiert 21:02h

In der Diskussion um die Zukunft des Köln-Bonner Flughafens bezweifelt Professor Baum die Aussagen eine Gutachtens, das eine Zusammenarbeit mit Düsseldorf ablehnt.

Köln - Alleingang? Frankfurt? Oder doch Düsseldorf? Die Partnersuche des Flughafens Köln / Bonn ist weiterhin im vollen Gang. Dabei läge eine Zusammenarbeit mit dem Airport der Landeshauptstadt nahe. Das schreibt zumindest der Kölner Verkehrswissenschaftler Herbert Baum, der die Kooperationsmöglichkeiten für den Konrad-Adenauer-Flughafen in der Wahner Heide untersucht hat. Aber: Aus Düsseldorf gibt es „keine Gesprächsbereitschaft“, weil man „keine Kooperationsmöglichkeiten sieht“.

Gestützt wird die negative Haltung durch ein Gutachten, in dem der Hamburger Berater Andreas Kossak bereits vor zwei Jahren die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Köln und Düsseldorf unter die Lupe nahm. Kossak kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, dass eine Verlagerung von Interkontinentalflügen von der Landeshauptstadt nach Köln die Folge dieser Kooperation wäre. Dies aber gehe „an der Wirklichkeit des Marktes vorbei“.

Kossak bestreitet zudem, dass eine Zusammenarbeit, die aus den beiden Flughäfen eine Art Großflughafen mit einem „Terminal Nord“ und einem „Terminal Süd“ macht, funktionieren könne. „Aus siedlungsstrukturellen, verkehrssystematischen, betrieblichen und ökonomischen Gründen„ sei es abwegig zu glauben, man könne diese beiden „Terminals“ ausreichend schnell - etwa per ICE - miteinander verbinden. Und auch mit dem „Metrorapid“ werde sich die Anbindung lediglich verbessern. „Sie würde aber die Funktionalität eines integrierten Großverkehrszentrums“ nicht erreichen. Zwar könne unter bestimmten Voraussetzungen eine Kooperation mit Köln / Bonn „auf strategischer Ebene sinnvoll“ sein. Aber „es gibt auf absehbare Zeit keine Lösung, die für die Region insgesamt und den Standort Düsseldorf im besonderen auch nur annähernd ähnlich vorteilhaft oder gar vorteilhafter wäre als die Ausschöpfung der Möglichkeiten des Flughafens Düsseldorf.“

Für Baum sind Kossaks Einschätzung „nicht nachvollziehbar“. Durch die ICE-Anbindung werde die Erreichbarkeit des Flughafens Köln / Bonn deutlich verbessert. „Und der Hemmschuh Kölner Ring wird ebenfalls ausgebaut.“ Die Verbesserung der Infrastruktur führe dazu, dass die Anreise in die Wahner Heide künftig kein Vabanque-Spiel mehr sein muss.

Der Kölner Verkehrsexperte teilte diese Einschätzung nicht. Er wirft dem Hamburger Berater vor, dass er von falschen Ausgangsbedingungen ausgeht. Denn der Düsseldorfer Airport hat ein Problem: Seine größte Start- und Landebahn ist mit drei Kilometer Länge nicht lang genug, damit die besonders schwer beladenen Interkontinental-Jets abheben können. Deswegen hoffen die Düsseldorfer auf den Ausbau der Piste. Baum ist da nicht allzu optimistisch: Kaum ein Branchenkenner gehe davon aus, dass es einen positiven Bescheid geben könne. Folge: Der Flughafen Düsseldorf wäre am Ende seiner Kapazität angekommen. „Ich glaube, dass unter diesen Voraussetzungen Bürger in Nordrhein-Westfalen lieber von Köln / Bonn in die weite Welt starten möchten, als von Frankfurt und Amsterdam“, sagt Baum.

Im Prinzip keine neue Erkenntnis: Im NRW-Luftverkehrskonzept sowie im Bericht der Enquete-Kommission des Landtags zur „Zukunft der Mobilität“ (Mitarbeit: Herbert Baum) kann man nachlesen, wie das Problem zu lösen ist. Der „Durchbruch im Verkehrsangebot“ sei nur durch eine „starke Kooperation, die auf eine unternehmerische Einheit und eine gemeinsame Angebotsgestaltung hinauslaufen würde“, zu erzielen. „Die Vision ist, dass beide Flughäfen zu einem Großflughafen NRW (mit den Terminals Düsseldorf und Köln / Bonn) zusammengefasst werden.“