aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 08.08.02

Angst vor noch mehr Nachtflügen

VON INGMAR KELLER, 07.08.02, 20:02h, aktualisiert 20:24h

Heute findet in Köln das „Friedensgespräch“ zur Flughafen-Strategie statt.

Köln / Hannover - Die neue Zukunftsstrategie und die ersten Erfolgmeldungen der Köln-Bonner Flughafen-Gesellschaft lösen nicht nur Begeisterung aus: Gestern forderte die „Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln / Bonn“ den Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) in einem offenen Brief auf, bei seinem für den heutigen Donnerstag anberaumten „Friedensgespräch“ mit Anteilseignern, Geschäftsführung und dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Flughafens für eine Verhinderung weiterer Nachtflüge einzutreten. Bereits heute zähle die Region rund um den Airport in der Wahner Heide zu den am meisten mit Fluglärm belasteten Gebieten in Deutschland. Der Flughafen habe zudem den höchsten nachtfluganteil aller deutschen Flughäfen, heißt es in dem Schreiben. Die Lärmschützer fürchten, dass die vom Flughafen betriebene verstärkte Ansiedlung von Billigfluglinien ebenso zu mehr Nachtflügen führen könnte wie eine ebenfalls diskutierte Kooperation mit dem Frankfurter Flughafen.

Beide Strategien waren in den vergangenen Tagen Gegenstand heftigen Streits gewesen. Die Geschäftsführung hatte unter anderem in der Ankündigung von Eurowings, ihr Europa-Drehkreuz nach Köln zu verlegen, eine Bestätigung ihrer Strategie gesehen, den Airport durch Linien „aus dem Niedrigpreis-Segment“ tagsüber besser auszulasten. Der erst vor wenigen Wochen gewählte Aufsichtsratsvorsitzende, der Reiseunternehmer Klaus Laepple (CDU), hatte diese - von ihm selbst zunächst mit beschlossene - Strategie dann öffentlich kritisiert und stattdessen eine Kooperation mit dem Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt empfohlen, was zu mehr Nachtflügen führen würde. Der Streit soll heute durch einen „Friedensgipfel“ beim Kölner Oberbürgermeister beendet werden.

Die Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden wurden gestern auch von der Kölner SPD scharf angegriffen. Sie äußerte Zweifel, ob Klaus Laepple tatsächlich an der wirtschaftlichen Prosperität des Köln-Bonner Flughafens gelegen sei. Laepple müsse sich der Diskussion im Hauptausschuss der Stadt stellen.

Die Billigflieger-Strategie der Geschäftsführung erhielt indessen gestern neuen Auftrieb durch die Ankündigung des Reisekonzerns TUI, ebenfalls eine Niedrigpreis-Linie zu schaffen und deren Standort womöglich nach Köln zu legen. Zwar verwies ein TUI-Sprecher gestern noch darauf, dass auch noch mit anderen Airports verhandelt werde. Und auch am Kölner Flughafen beschränkte man sich auf ein knappes „Kein Kommentar“. Fest steht jedoch, dass nur in der Wahner Heide noch größere Kapazitäten frei sind, fast alle anderen größeren Flughäfen sind überfüllt. Die TUI will mit ihrer eigenen Linie den Druck der zahlreicheren Billigflug-Linien abwehren, die Kosten einsparen, indem sie den Bord-Service auf ein Minimum beschränken und das Buchen weitgehend über das Internet abwickeln. (mit dpa)