Ärzte-Initiative braucht Geld für eine medizinische Studie
Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger (Rhein-Sieg) vom 10.03.2005

VON VOLKER WEINL

Der neu gegründete Verein will die gesundheitsschädigende Wirkung der Geräuschbelastung belegen.

Troisdorf - Der Widerstand gegen den Fluglärm am Flughafen Köln / Bonn bleibt in Bewegung. „Die Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf“ hat sich nun als Verein formiert. Hintergrund der Gründung, die in Troisdorf stattfand, ist die Möglichkeit, als gemeinnütziger Verein abzugsfähige Spenden entgegen zu nehmen. Das erhoffte Geld benötigt die Initiative, um eine Studie zu finanzieren, die den Zusammenhang von Erkrankungsrisiken und Fluglärmbelastung erhellen soll.

Diese Untersuchung hat der Bremer Mediziner Eberhard Greiser entworfen, der sie und die nach erster Datenauswertung erkennbaren Tendenzen in Troisdorf vorstellte.

Der Epidemiologe - das ist ein Mediziner, der Ursachen und Risikofaktoren von Krankheiten in bestimmten Bevölkerungsgruppen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung untersucht - benötigt für seine Studie keine Versuchspersonen, sondern verwendet Daten von Krankenkassen. Nach der ersten Sichtung von Informationen der Medikamentenverschreibungen von einigen zehntausend Patienten aus der Region berichtete Greiser von Auffälligkeiten: Antidepressiva, Schlafmittel und Bluthochdrucksenker wurden in dem als belastet bezeichneten Gebiet Lohmar / Siegburg / Hennef in den Jahren 2001 bis 2003 deutlich häufiger verordnet als in der Vergleichsregion Sankt Augustin, Eitorf und Troisdorf.

„Solche Risikoverschiebungen sieht man in der Epidemiologie extrem selten“, kommentierte Professor Greiser. Ausstehende Aufgaben bestünden darin, die Stichprobe zu erweitern und die Lärmbelastungswerte für die verschiedenen Gebiete zu modellieren. Die Querschnittsstudie, die etwa 100 000 Euro kostet, wovon bisher etwa die Hälfte zur Verfügung steht, könnte untermauern, dass in den Flugschneisen erhöhte Lärmbelastung und überdurchschnittlich häufige Gesundheitsbeschwerden zusammenfallen. „Gerichtsfest belegt wäre der Zusammenhang durch so ein Ergebnis aber noch nicht“, räumte Greiser ein. Es wäre aber ein nachdrücklicher, objektiver Appell an die politischen Entscheidungsträger, der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Dies müsse dann über eine so genannte Fall-Kontroll-Studie geschehen. Diese sei ungleich aufwändiger und würde absichern, dass andere bekannte Riskofaktoren, etwa sozialer Art, als Ursache für die unterschiedlichen Gesundheitsdaten auszuschließen wären.

Der Verein der gegen Fluglärm kämpfenden Ärzte hat bei seinem Gründungstreffen auch einen Vorstand gewählt. Vorsitzende wurde Gerda Noppeney, ihre Stellvertreter Gabriele Helbig und Arno Lange. Zum weiteren Vorstandkreis gehören Martin Hötter und Heiner Mersmann.