aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 13.09.02

Schlaflos in Niehl und Marienburg

VON BEATRIX LAMPE UND MATTHIAS PESCH, 13.09.02, 18:49h, aktualisiert 20:40h

Um Fluglärm geht es am Samstag beim Kongress „Nachtruhe ist Menschenrecht“ auf Einladung der Kirchen. Flughafen und Lärmgegner streiten schon lange über Wirtschaftlichkeit und Lebensqualität.

Nächtlicher Fluglärm sei „störend und lästig“, räumt der Flughafen Köln / Bonn ein. In dieser Einschätzung sind sich der Flughafen und die Lärmschutzgemeinschaft einig. Doch damit erschöpft sich die Gemeinsamkeit. Der Flughafen zählt Erfolge in der Fluglärmbekämpfung auf, denen die Lärmschützer in fast jedem Punkt widersprechen.

Sie bewerten Statistiken und Lärmwerte ganz anders als die Flughafen-Gesellschaft und bezweifeln, dass es überhaupt einen politischen Willen zu einer Nachtflugbeschränkung in Köln Bonn gebe. Diesen Schluss ließen Gerichtsverfahren, die Interpretation von Gutachten und Verhandlungen zwischen Flughafen, Stadt, Land und Bund zu, sagen Helmut Breidenbach und Wolfgang Hoffmann, die Vorsitzenden der Lärmschutzgemeinschaft.

Die Reduktion des Nachtfluglärms, die Flughafensprecher Walter Römer anhand der Dauerlärm-Werte an elf von zwölf Messstellen nachweist, beziffern die Lärmgegner als „kaum wahrnehmbar“. Dass von November an nur noch leisere Flugzeuge der so genannten Bonusliste für den Nachtverkehr zugelassen würden, sei zwar ein Fortschritt, aber nicht genug, erklärt Breidenbach. Denn die Lärmklassifizierung für Flugzeuge werde nach der Flugzeuggröße festgelegt. Große Maschinen würden auch bei höheren tatsächlichen Lärmemissionen noch als „leises Gerät“ eingestuft.

Während der Flughafen auf die wirtschaftliche Notwendigkeit des Nachtfrachtflugs verweist, halten die Nachtfluggegner viele Flüge für überflüssig. Sie fordern zumindest eine Kernruhezeit. Hingegen habe der Flughafen „gezielt mit seiner Nachtöffnung um Kunden geworben“. Auch das Arbeitsplatz-Argument überzeugt die Gegner nicht. Die Beschäftigungszahlen, die NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement und der Flughafen mit dem Nachtflug in Verbindung brächten, hält die Lärmschutzgemeinschaft für weit überzogen.

Vertreter der SPD-Mehrheitsfraktion im Landtag neigten dazu, Fluglärmgegner für notorische Querulanten zu halten, machte Breidenbach zuletzt bei einer Versammlung fluglärmgeplagter Marienburger Bürger deutlich. „Das müssten Politiker oder Richter nachts mal hören“, schildern Bürger ihren Eindruck, die Flugzeuge flögen über ihren Häusern „zu niedrig“ . Walter Römer widerspricht, solche Höhenschätzungen seien sehr subjektiv und oft falsch. Wo messbar mehr als sechs Einzellärmereignisse von 75 Dezibel(A) stattfänden, sorge der Flughafen durch passiven Schutz für eine Reduzierung des Lärms „am Ohr des Schläfers“ auf Werte unterhalb der Aufwach-Schwelle.

Eine Ärzte-Initiative aus dem Rhein-Sieg-Kreis wertet dagegen Patientenbefragungen und erste Ergebnisse einer Studie des Zentrums für Luft- und Raumfahrt als Belege für die These, dass schon nicht zum Aufwachen führende nächtliche Störungen krank machen.