aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 15.08.02

Auch Virgin Express startet von Köln/Bonn

erstellt 16:21h, aktualisiert 16:25h

Köln - Der Flughafen Köln/Bonn ist im Visier der Billigflug-Anbieter: Neben Eurowings werde auch die Discount-Linie Virgin Express von Köln/Bonn aus Billigflüge anbieten, sagte am Donnerstag der Sprecher der Köln/Bonn Flughafen GmbH, Walter Römer. Gespräche mit weiteren Interessenten würden geführt. Auch der weltgrößte Tourismuskonzern TUI (ehemals Preussag) hatte Köln/Bonn als Standort für eine geplante Billiglinie gute Chancen eingeräumt. "Die Kunden können sich auf rosige Zeiten freuen und wir freuen uns auch auf rosige Zeiten", sagte Römer.

"Die Anbieter wollen mit den billigen Flugtickets völlig neue Kunden gewinnen", sagte Römer. Dies bestätigte am Donnerstag ein Sprecher der Lufthansa, die an Eurowings beteiligt ist. Man hoffe, mehr Wochenend- und Kurzurlauber oder sehr preisbewusste Geschäftsreisende zu erreichen, sagte der Sprecher. Zudem würden wahrscheinlich Urlauber, die bisher mit Auto und Bahn in die Ferien gefahren sind, auf das Flugzeug umsteigen. "Die neuen Angebote werden nicht die traditionellen Lufthansa-Kunden ansprechen." Lufthansa wolle über Eurowings an dem lukrativen Randbereich des Fluggeschäftes teilhaben. Eine eigene Billiglinie werde es aber nicht geben.

Auch TUI-Vorstandsvorsitzender Michael Frenzel hatte angekündigt, in den stark wachsenden Markt der Billigfluglinien einsteigen zu wollen. Der Flughafen Köln/Bonn gilt wegen des großen Einzugsgebiets für die Billigfluglinien als interessant. Beim Kampf um die Kunden scheint Eurowings, die unter dem Namen "germanwings" von Köln/Bonn aus Discountflüge anbieten will, die Nase vorn zu haben. "Eurowings startet am 27. Oktober, Virgin Express wird erst später einsteigen", sagte Römer. Laut Spekulationen sollen die Tickets bereits für 10 bis 20 Euro zu haben sein.

Den Standortvorteil betonte am Donnerstag auch NRW- Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold (SPD). Köln/Bonn habe die Chance, zu einem internationalen Drehkreuz und zu einem internationalen Airport zu werden. "Auch die Niederlande und Belgien sind Zielmärkte für den Flughafen", sagte Schwanhold dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln. Passagiere, die bislang über Frankfurt und Amsterdam geflogen seien, könnten in Zukunft den Flughafen Köln/Bonn nutzen.

Schwanhold äußerte gleichzeitig Verständnis für die Anwohner, die über Fluglärm klagten. Allerdings brauche Nordrhein-Westfalen als ein Land, das vom Export und auch vom Tourismus lebt, eine "glänzende Infrastruktur".

Die NRW-Landtagsfraktion der Grünen kritisierten den Eurowings- Einstieg in das Billigflug-Geschäft. Unter dem Aspekt des Klimaschutzes gehen die Pläne nach Ansicht des verkehrspolitischen Sprechers der NRW-Grünen, Peter Eichenseher, in die falsche Richtung. "Mit Dumpingpreisen von 10 bis 20 Euro werden Passagiere in die Flieger gelockt. Demnächst ist es billiger, von Köln nach Nizza zu fliegen, als mit der Bahn von Düsseldorf nach Köln zu fahren", sagte Eichenseher. Die niedrigen Preise im so genannten No-Frills-Geschäft ("Fliegen ohne Schnickschnack") seien vor allem durch die Steuerbefreiung auf Kerosin möglich. Der Grünen-Sprecher forderte eine EU-weite Kerosinsteuer. (dpa)