aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 25.04.02

Wir werden abgekanzelt und ausgetrickst

Die Fluglärm-Kommission am Airport Köln / Bonn geht in die Offensive: Sie richtet harte Vorwürfe an die Landesregierung, die in Sachen Nachtflug eine "menschenfeindliche Politik" betreibe.
Bergisch Gladbach - Gestern war internationaler "Tag des Lärms". Viele zehntausend Menschen in der Region Köln / Bonn wird dies nicht sonderlich bewegt haben, denn für sie ist regelmäßig "Tag des Lärms". Mehrmals in der Woche. "Tag des Fluglärms" gewissermaßen. Die Klagen über laute Maschinen insbesondere zu nachtschlafender Zeit nehmen nicht ab. Nun klagt auch das Gremium, das sich eigentlich auf die Fahne geschrieben hatte, für eine Reduzierung des Lärms zu sorgen: Die Fluglärm-Kommission am Kölner / Bonner Airport sieht sich unter den gegebenen Umständen nicht in der Lage, irgendetwas verbessern zu können.

Die neue Vorsitzende der Kommission, die Bergisch Gladbacher Bürgermeisterin Maria Theresia Opladen, richtete gestern in einer Pressekonferenz einen eindringlichen Appell an Landesregierung und Flughafen-Betreiber. Beide mögen "endlich den Interessen der Menschen gerecht werden und aktiv dafür sorgen, den Fluglärm spürbar zu verringern". Sie habe die Erfahrung machen müssen, dass dies nicht der Fall sei. Opladen: "Stattdessen wird die Kommission abgekanzelt und ausgetrickst."

Ihr Stellvertreter, der Sankt Augustiner Ratsherr Peter Fischer, sprach sogar von "Arroganz des zuständigen Ministers Schwanhold": "Dieser Stil kann so nicht weitergehen." Auch sorge niemand dafür, dass die vorgeschriebenen Startrouten eingehalten würden. Fischer: "Besonders über dem Rhein-Sieg-Kreis wird weiterhin nach Wildwest-Manier geflogen."

Bürgermeisterin Opladen schilderte folgenden Fall: Alle fünf Jahre müsse die Kommission prüfen, ob der Lärm rund um den Flughafen "signifikant" - also deutlich spürbar - abgenommen habe. Bei der jüngsten Prüfung sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass dies nicht der Fall ist. Auftragsgemäß melde man dies an die Landesregierung weiter, die dann wiederum zu überlegen hat, wie der Lärm signifikant reduziert werden kann. Düsseldorf habe zunächst gar nicht reagiert, sagte Opladen. Erst auf drängende Nachfrage habe man die Antwort erhalten, dass sich die Landesregierung der Meinung der Kommission nicht anschließe und deshalb auch nicht prüfen werde, wie der Lärm reduziert werden kann.

Der stellvertretende Vorsitzende der Bundesvereinigung gegen Fluglärm, Helmut Breidenbach, warf den Flughafen-Betreibern und dem Ministerium vor, sich konsequent gegen eine vollständige Umsetzung des 22-Punkte-Programms zur Lärmminderung zu wehren. So seien laute Jumbos - die laut Programm nachts nicht mehr fliegen sollen - noch nicht aus dem Verkehr gezogen worden. Und auch Passagierflüge würden nachts weiterhin stattfinden. Breidenbach warf dem Flughafen eine "Verschleppungstaktik" vor. Man müsse den Eindruck gewinnen, dass weder der Flughafen noch die Landesregierung ernsthaft an einer Lärmminderung interessiert seien.

Breidenbach befürchtet zudem, dass sich der Airport verstärkt auf den Frachtflug konzentrieren werde. Denn die Passagierzahlen in Köln / Bonn seien derart rückläufig, dass der Flughafen sein wirtschaftliches Heil nur im Fracht- und damit im Nachtflug sehen könne.

Maria Theresia Opladen wiederholte die Forderung der Kommission, auch für Köln / Bonn eine Kernruhezeit (keine Starts und Landungen zwischen 23 und 5 Uhr) einzuführen. Zudem solle von "objektiven" Gutachtern untersucht werden, welche wirtschaftliche Bedeutung der Nachtflug für den Arbeitsmarkt in der Region wirklich habe.

Opladen: "Wir als Fluglärm-Kommission können ein derartiges Gutachten nicht in Auftrag geben. Obwohl wir ein Gremium sind, das im Auftrag der Landesregierung gegründet wurde, werden wir von Düsseldorf mit keinerlei Mitteln ausgestattet. Um ehrlich zu sein: Die Geschäftsführung der Kommission erfolgt derzeit auf Kosten der Bergisch Gladbacher Steuerzahler." Mit anderen Worten: Die Arbeit wird von der Bürgermeisterin und ihrem Büro im Rathaus geleistet.