aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 26.10.02

In Köln/Bonn beginnt am Sonntag das Zeitalter der Billig-Fliegerei

Preiskampf vor dem Abheben

von LUTZ FEIERABEND, INGMAR KELLER, mit dpa, 26.10.2002

Die neuen Dumping-Angebote stoßen nicht nur bei Umweltschützern auf Skepsis und Kritik.

Köln - Der "Luftkampf um Köln" wird zum Preiskampf: 29 Euro? 19,99 Euro? Die Billigflugunternehmen unterbieten sich momentan im Angebot günstiger Tickets. Mit gutem Grund: Jetzt geht es um entscheidende Marktanteile. Und da scheint Germanwings, an der die Lufthansa mit 24,9 Prozent beteiligt ist, gegenüber dem großen Konkurrenten - TUI-Tochter Hapag Lloyd Express - die Nase vorn zu haben.

Denn Germanwings fliegt in die "Herzen der großen europäischen Metropolen", sagte Geschäftsführer Joachim Klein am Freitag in Köln. Paris, London, Rom, Madrid, Istanbul - der große Bruder Lufthansa hat offenbar bei der Beschaffung von Start- und Landerechten für die attraktiven Ziele geholfen. Hapag Lloyd Express sieht da mit Mailand-Bergamo, Pisa und Neapel schlechter aus.

Bei Germanwings herrscht daher eitel Zuversicht. "Wir wollen vielleicht schon im nächsten Jahr schwarze Zahlen schreiben", sagte Klein. Zunächst werden sechs Maschinen am Köln-Bonner Flughafen stationiert. Der Germanwings-Manager prophezeit aber bei günstigem Geschäftsverlauf eine Expansion auf bis zu 15 Maschinen.

Das Bundesverkehrsministerium beobachtet die drastische Zunahme von Billigflügen "mit Aufmerksamkeit". Dort stimmt man durchaus den Besorgnissen der Umweltschützer zu, dass eine Zunahme des Flugverkehrs auch die Menge der Luftschadstoffe deutlich steigen lässt. Und man sieht auch, dass der Bahn, die ja in den vergangenen Jahren mit ihren Hochgeschwindigkeitszügen viele "Kurzstreckenflüge" zwischen 300 und 700 Kilometern Entfernung überflüssig machte, hier neue Konkurrenz erwächst. Damit muss die Bahn künftig mit Einbußen in einem Bereich rechnen, der sich in den vergangenen Jahren gerade zum lukrativsten des immer noch sehr defizitären Unternehmens gemausert hat.

Hinweis auf Steuerpläne

Deshalb, so Ministeriumssprecher Michael Zirpel in Berlin, habe man in der neuen Koalitionsvereinbarung ja auch vorgesehen, die Mehrwertsteuer auf Bahntickets zu halbieren und die auf Flugscheine zu verdoppeln. Auch die Abschaffung der Steuerfreiheit für Flugbenzin ist nach Ansicht des Bundesverkehrsministeriums "im Grundsatz richtig", lässt sich aber nur international lösen. "Sonst ist es ja ein Leichtes für jede Fluggesellschaft, ihre Jets künftig nicht mehr in Deutschland, sondern am Zielort im Ausland auftanken zu lassen", gab der Ministeriumssprecher zu bedenken.

Die Bahn gibt sich nach außen recht gelassen. Man habe gerade mit dem neuen Preissystem Möglichkeiten geschaffen, den Billigfliegern durchaus Paroli zu bieten, sagte Bahnsprecher Günter Reinartz am Freitag. Außerdem müsse sich erst einmal zeigen, wer "diesen ruinösen Wettbewerb der Billigflieger" überhaupt überleben werde. Und natürlich, so Reinartz, hoffe man natürlich darauf, dass die Politik die Rahmenbedingungen in der Verkehrspolitik so verändere, dass Fliegen nicht mehr so eindeutig bevorteilt werde. Schließlich sei Fliegen wesentlich umweltbelastender als Bahnfahren.

Auf die ökologische Problematik von Billigflügen machte am Freitag auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) aufmerksam: Als "ökologisch katastrophal" bezeichnete der BUND-Landesverband NRW die weitere Ausdehnung des Luftverkehrs durch Billigflieger: "Schon heute ist der Flugverkehr wegen seines außerordentlichen Wachstums - er verdoppelt sich innerhalb von 15 Jahren - und weil er die Schadstoffe direkt in die hohen Luftschichten einträgt, dabei, zum Klimakiller Nr. 1 zu werden", kritisierte die Organisation.

BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm meinte in Berlin: "Wer von der Bahn auf das Flugzeug umsteigt, trägt mit seiner Reise etwa 10 bis 20 Mal stärker zur Klimaerwärmung bei", erklärte Timm. In wenigen Jahren werde die Klimaschädlichkeit der Flugzeuge die des Autos übersteigen. (mit dpa)