aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 28.08.02

Schwanhold: „Gutes Signal für Köln/Bonn”

erstellt 27.08.02, 19:45h, aktualisiert 20:06h

Kritik an den Differenzen in Aufsichtsrat und Geschäftsführung des Flughafens äußert Verkehrsminister Schwanhold. Mit dem SPD-Politiker sprach Günther M. Wiedemann.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Schwanhold, German Wings und andere Billigflieger starten demnächst in Köln / Bonn. Was bedeutet das für den Nachtflug?

SCHWANHOLD: German Wings wird mit einer beachtlichen Zahl von Maschinen an den Start gehen. Das ist ein gutes Signal für den Köln-Bonner Flughafen. Der Billigfliegermarkt entwickelt sich. Köln hat insgesamt große Vorteile, weil in dem Umfeld viele Menschen leben. Und es gibt eine Flugerlaubnis von 24 Stunden für sieben Tage. Die zusätzlich zum Kölner Airport kommenden Fluggesellschaften werden aber nicht die Nachtflugbewegungen steigern. Das Geschäft soll am Tage und in den Tagesrandstunden abgewickelt werden.

Es gab in den letzten Wochen Differenzen zwischen der Geschäftsführung und dem Aufsichtsratsvorsitzenden über die strategische Ausrichtung des Airports. Ist dieser Konflikt ausräumt?

SCHWANHOLD: Ich bin in hohem Maße verärgert über diese öffentliche Diskussion. Das dient nicht dem Standort und schadet dem Unternehmen. Da hat offensichtlich eine besondere Interessenpolitik eine Rolle gespielt. Der Kölner Oberbürgermeister hatte zu einem Schlichtungsgespräch eingeladen. Ich habe den Eindruck, dass dieses nur partiell Wirkung gehabt hat. Die Differenzen sind noch nicht ausgeräumt. Hier wird es in absehbarer Zeit in der Verantwortung des Aufsichtsrates klärende Gespräche geben.

In Kürze findet eine Aufsichtsratssitzung statt. Wird das Land als Anteilseigner für personelle Veränderungen an dessen Spitze sorgen?

SCHWANHOLD: Über personelle Konsequenzen kann nur der Aufsichtsrat in seiner Gesamtheit entscheiden. Mit der Sitzung müssen jedenfalls die Differenzen beendet sein. Man kann immer unterschiedliche Konzepte verfolgen. Aber dafür sind die Gremien da und nicht die Öffentlichkeit.

Wie können diese Differenzen überwunden werden?

SCHWANHOLD: Indem jeder sein Geschäft macht und seine Kritik an der Stelle anbringt, die dafür vorgesehen ist, wenn er denn begründete hat. Dagegen hat eine Seite ganz eindeutig verstoßen.

Das heißt, das Land unterstützt den Kurs der Geschäftsführung, auf Billig-Flieger zu setzen und nicht, wie Aufsichtsratschef Laepple, auf eine Kooperation mit Frankfurt ?

SCHWANHOLD: Ja. Dieser Kurs ist wird auch vom Aufsichtsrat ausdrücklich unterstützt. Das Land unterstützt die Geschäftsführung, den Flughafen zu einem erfolgreichen Wirtschaftsstandort zu machen.

Gehört dazu auch eine Kooperation mit dem Airport Düsseldorf?

SCHWAHOLD: Die Kooperation zwischen den nordrhein-westfälischen Flughäfen ist erklärtes Ziel der Landesregierung. In Düsseldorf haben wir Kapazitätsengpässe, deshalb ist es Ziel der Landesregierung, zu schnellen Verbindungen zwischen Köln und Düsseldorf zu kommen. Ich halte viel von einer Zusammenarbeit zwischen den Flughäfen Köln und Düsseldorf.

In beiden Städten ist aber immer wieder Kirchturmdenken feststellbar. . .

SCHWANHOLD: Es es gibt in beiden Stadtparlamenten selbstbewusste Positionen und auch bei den handelnden Personen, die sich nicht sonderlich von Empfehlungen von außen beeindrucken lassen. Bei den Flughäfen ist noch nicht aller Tage Abend. Ich hoffe, dass die Synergien dieser beiden großen und für NRW außerordentlich wichtigen Städte und ihrer Einrichtungen in Zukunft gehoben werden.

Noch einmal zurück zu Köln. Wie stehen die Bemühungen, den Frachtverkehr auszubauen?

SCHWANHOLD: Zunächst einmal geht es um den Ausbau der Wertschöpfung am Ende der Transportkette, das heißt nicht zwangsläufig mehr Flüge, und schon gar nicht zwangsläufig mehr Nachtflüge. Wir haben ja die erfreuliche Tendenz, dass im Jahr 2001 das Frachtaufkommen zugenommen hat und die Zahl der Nachflüge um mehr als zwei Prozent zurückgegangen ist. Das ist auch im Sinne der Anwohner. Ab Oktober werden die lauteren Flugzeuge ihre Start- und Landeerlaubnis verlieren, so dass wir noch einmal zu einer Verbesserung der Lärmsituation kommen werden. Die Gespräche laufen weiter, nicht nur mit UPS.

Finanzstaatssekretär Noack hat erklärt, es sei nicht Aufgabe des Landes, Flughäfen zu betreiben.

SCHWANHOLD: Das ist richtig. Obwohl Flughäfen eine wichtige Infrastruktureinrichtung darstellen. 30 Prozent des Wertes unseres Außenhandels werden über Luftfracht abgewickelt. Für eine exportorientierte Nation sind Flughäfen auch im Internet-Zeitalter von enormer Bedeutung. Ich bin dafür, dass man „die Braut schön macht“ und für sie dann einen möglichst großen Ertrag erzielt. Da sind wir in Köln vielleicht in der Mitte der Entwicklung.

Also kein Verkauf der Landesanteile in den nächsten zwei Jahren?

SCHWANHOLD: Das sehe ich auch so, zunächst einmal bleibt zu hoffen, dass die Bestrebungen der Geschäftsführung, neue Fluggesellschaften nach Köln-Bonn zu holen, erfolgreich sein werden. Ich werde die Geschäftsführung dabei unterstützen.