aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 29.08.02

TUI stationiert drei Flugzeuge in Köln

VON LUTZ FEIERABEND, 28.08.02, 18:57h, aktualisiert 21:00h

Der Konrad-Adenauer-Flughafen erwartet einen Schub an neuen Passagieren durch die Billigflieger.

Köln - Die neue Billigfluggesellschaft des Touristikunternehmens TUI will nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ drei Flugzeuge am Flughafen Köln / Bonn stationieren. Zwar wollte ein Unternehmenssprecher gestern nicht bestätigen, dass der TUI-Aufsichtsrat einen dahingehenden Beschluss gefasst hat. Aber die Gründung einer eigenen Linie im Billigflugsegment gemeinsam mit der Berliner Fluggesellschaft Germania gilt als sicher.

Zunächst sollen mehrere westeuropäische Hauptstädte und Ballungszentren angeflogen, das Netz dann aber allmählich ausgebaut werden. Ob die neue Airline auch in das Ferienfluggeschäft einsteigt, sei wegen der TUI-Tochter Hapag Lloyd Flug noch offen. Mit der Entscheidung, in den Billigflugmarkt einzusteigen, tritt TUI in direkte Konkurrenz zu Germanwings. Das Unternehmen, an dem die Lufthansa beteiligt ist, will ab Herbst von Köln / Bonn aus europäische Ziele ansteuern - ebenfalls zu besonders preisgünstigen Konditionen. Mit TUI wird nach Germanwings und Virgin Express eine dritte Airline im „No-frills-Geschäft“ („Fliegen ohne Schnickschnack“) vom Flughafen Köln / Bonn aus operieren. Die neuen Akquisitionen werden bei „Cityline“ teilweise mit Beunruhigung zur Kenntnis genommen. Die Lufthansa-Tochter hat ihren Hauptsitz am Konrad-Adenauer-Flughafen, nutzt aber vor allem den Münchner Flughafen für das operative Geschäft.

Weil zu erwarten ist, dass einige Flüge, die die Cityline von Köln / Bonn aus anbietet, von Germanwings übernommen werden, gibt es Gerüchte über eine Verlegung des Sitzes der Basis nach München. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ sollen aber länger fristige vertragliche Bindungen einer solchen Verlegung entgegen stehen. Dies würde bedeuten, dass die Verwaltung weiterhin in Köln / Bonn bleibt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürften aber Mitarbeiter aus Technik oder den Crews betroffen sein, wenn weitere Flüge am Standort Köln / Bonn gestrichen würden.

Der Flughafen erwartet indes einen Schub an neuen Passagieren durch die Billigflieger. „Allein die Niedrigpreis-Marke der Lufthansa-Beteiligung Eurowings wird im kommenden Jahr etwa 1 bis 1,5 Millionen Fluggäste auf den Airport bringen“, betonte gestern Flughafen-Sprecher Walter Römer.

„Menschenverachtend und zynisch“ ist nach Meinung von Horst Becker, Fraktionschef der Grünen im Kreistag Rhein-Sieg, das, was Landesverkehrsminister Ernst Schwanhold gestern im „Kölner Stadt-Anzeiger“ gesagt hatte. Wenn der SPD-Politiker im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Billigfliegern auf die Nachtoffenheit des Flughafens Köln / Bonn hinweist, werde deutlich, dass „zumindest auf Sicht auch ein Teil der Flugbewegungen von Billigfliegern in der Nacht abgewickelt wird. Offensichtlich geht der Landesverkehrsminister selbst davon aus, dass der so genannte Standortvorteil Nachtflug einer der Gründe für die Ansiedlung von Billigfliegern ist.“ Schwanhold führe die Öffentlichkeit in die Irre, wenn er darauf verweise, dass im vergangenen Jahr die Zahl der Nachtflüge um zwei Prozent zurückgegangen sei und dies als Entlastung bezeichne. „Richtig ist vielmehr, dass durch die durchschnittlich erheblich gestiegene Größe der Flugzeuge der Lärm sogar wieder zunimmt“, sagt Becker.