aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 31.07.02

Nicht nur ein Ausweich-Airport
In einer möglichen Kooperation mit Frankfurt sieht Klaus Laepple durchaus Vorteile für Köln
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VON HEINZ TUTT

Düsseldorf - Für eine Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Flughafen sieht der Aufsichtsratsvorsitzende des Köln-Bonner Flughafens, Klaus Laepple, überwiegend Vorteile und möchte deshalb Möglichkeiten einer Kooperation ausloten. Den von der Landesregierung gewünschten Verkauf von Anteilen am Airport in der Wahner Heide sieht allerdings er noch in weiter Ferne. Anders als der Geschäftsführer des Airports betrachtet er indessen die Ansiedlung von Billiganbietern in Köln/Bonn skeptisch.

Hohe Schuldenbelastung

Laepple beziffert den Wert des Kölner Airports auf mindestens 500 Millionen Euro. Das könnte in der Tat bei NRW-Finanzminister Peer Steinbrück Begehrlichkeiten auslösen, wenn er an den Verkauferlös des 30-prozentigen Landesanteils denkt. Allerdings, so betonte Laepp^le, müsse berücksichtigt werden, dass der Flughafen erhebliche Schulden auf Grund der Investitionen habe, die noch über Jahre getilgt werden müssten. "Dies ist alles mehr oder weniger fremdfinanziert." Für einen reinen Finanzinvestor, der es auf eine jährliche Rendite abgesehen hätte, wäre ein Erwerb somit uninteressant. Hinzu komme, dass ein seit knapp zwei Jahren schwelender Streit zwischen dem Flughafen und dem Bund über jährliche Pachtzahlungen den Verkauf noch erschwere.

Der Bund, der das Flughafengelände verpachtet hat, verlangt rückwirkend 15 Millionen Euro Pacht sowie künftig zehn Millionen Euro jährlich für Grund und Boden. "Wenn der Bund sich mit dieser Forderung durchsetzt, würde dies die Werthaltigkeit des Köln-Bonner Flughafens auf null setzen, befürchtet Laepple. Die Aussichten des Bundes auf eine Rückforderung bezeichnet der Aufsichtsratschef zwar als gering. Unklar sei indessen, wie hoch die künftige Pacht sei.

Aus all diesen Gründen glaubt Laepple nicht, dass das Land kurzfristig den Verkauf des 30-prozentigen Anteils realisieren kann. Und wenn das Land dennoch verkaufe, dann nicht in erster Linie, um Geld daraus zu holen, sondern vielmehr um sich von der Pflicht frei zu stellen, weiteres Geld nachzuschießen. Die Eigenkapitalquote des Airports sei auf Grund umfangreicher Investitionen gesunken. In der kommenden Aufsichtsrats-Sitzung will der Vorsitzende über die Schlussfolgerungen eines Gutachtens beraten lassen, dass der Kölner Verkehrswissenschaftler Herbert Baum dem Gremium vorgestellt hat. Baum hatte Kooperationsmöglichkeiten mit Frankfurt durchleuchtet, da - so Laepple - Düsseldorf an einer Zusammenarbeit nicht interessiert sei. "Die Fragestellung lautete, ob beide Partner und insbesondere Köln einen Vorteil von der Zusammenarbeit hätten." Die Frage von Kapitalverflechtungen spiele da zunächst keine Rolle, erklärte er.

Sowohl Frankfurt als auch Köln hätten einerseits ein Interesse an der Zusammenarbeit, um ein Gegengewicht zu einem globalen Zusammenschluss der Fluglinien zu bilden. Unter dem Dach der "Star Alliance" hätten sich Lufthansa und weitere internationale Airlines zusammengeschlossen. 60 Prozent der Starts und Landungen würden in Frankfurt von Airlines durchgeführt, die der "Star Alliance" angehörten. "Klar, dass diese auf die Flughafengesellschaften Druck ausüben können", sagte Laepple. Dies zeichne sich in Frankfurt schon bei den Landegebühren ab, die auf Druck der "Star Alliance" mittelfristig festgeschrieben worden seien.

Darüber hinaus habe Frankfurt auch ganz praktische Interessen an der Kooperation mit Köln. Für den Bau der dritten interkontinentalen Landebahn musste der Frankfurt Zugeständnisse machen. War der Flughafen bisher 24 Stunden täglich geöffnet, so gelten künftig in einer nächtlichen Kernzeit Einschränkungen. "Mindestens zwischen 24 und vier Uhr werden stündlich vermutlich nur 20 Maschinen dort verkehren dürfen", erklärte Laepple. Damit böte sich Köln als idealer Ausweichflughafen an. Attraktiv werde dies vor allem auf Grund der neuen ICE-Trasse nach Frankfurt.

Doch mit der Vorstellung, dass Köln/Bonn nur als Ausweichflughafen für Frankfurt dienen könne, will sich Laepple nicht zufrieden gehen. Natürlich müssten neue, interkontinentale Linien für Köln/Bonn eingeworben werden. Er betonte jedoch: "Was wir in Köln brauchen, ist nicht nur Quantität, sondern auch Qualität." Ersteres werde derzeit mit Tourismus und Frachtverkehr gewährleistet. Qualitativ müssten jedoch Verbindungen in alle europäische Metro^polen und mittelfristig auch der Interkontinentalverkehr abgedeckt werden. Nur dies sichere Standort und Beschäftigung. "Es ist eine Frage der Vertragsgestaltung, wie wir diese Ziele mit Frankfurt erreichen können." Durch die neue ICE-Verbindung habe Köln jedenfalls seine Einzugsgebiet ganz deutlich erweitert.

Furcht vor Abwanderungen

Im Gegensatz zum Geschäftsführer des Köln/Bonner Flughafens, Michael Garvens, betrachtet Laepple dagegen Pläne, in Köln verstärkt Billiganbieter anzusiedeln, eher mit Skepsis. Der Flughafen verdiene wenig an solchen Gesellschaften, weil sie meist weder Lande- noch Abfertigungsgebühr, noch Geld für den Transport von Gepäck und Passagieren auf dem Flughafen zahlen wollten. "Im Gegenteil, in Leipzig verlangte ein Billiganbieter vom Flughafen sogar noch zwei Euro pro Passagier", erklärte Laepple, der auch im Aufsichtsrat der Mitteldeutschen Flughafen AG sitzt. Zudem sei die Gefahr in Köln groß, dass etablierte Gesellschaften wie die Berlin Air abwanderten, wenn die Billiganbieter die gleichen Flugrouten anböten. Geld könne der Flughafen höchstens damit verdienen, was die Passagiere vor dem Abflug in den Restaurants und Geschäften ausgäben. Aber auch hier sei Zurückhaltung geboten. "Laepple: "Das sind überwiegend Rucksack-Touristen."