aus dem Kölner-Stadt-Anzeiger vom 19.02.02

Das Ziel bleibt die Nachtruhe

von KLAUS SCHMITZ, 19.02.2002

Die Befürworter eines Nachtflugverbots auf dem Köln-Bonner Flughafen haben Argumentationshilfe erhalten. Die "Ärzteinitiative für einen ungestörten Schlaf" schließt sich der Forderung an.

Bergisches Land - Den Verdacht gab es schon lange. Nun glaubt die Ärzteinitiative den Beweis dafür gefunden zu haben: Nächtlicher Fluglärm macht krank. Eine Befragung bei Patienten habe ergeben, dass sich 88 Prozent der Befragten durch nächtlichen Fluglärm gesundheitlich beeinträchtigt fühlen. Einen Zusammenhang zwischen nächtlicher Ruhestörung durch Flugzeuge und ihrer Erkrankung in sich verschlechterdem oder verursachendem Sinn sehen 81 Prozent der Befragten. 80 Prozent der Patienten befürworten eine grundsätzliche Nachtruhezeit.

An der Befragung der Patienten beteiligten sich zwei Dutzend Mediziner in 16 Praxen im Siegburger Kreisgebiet und in Porz. Initiiert worden war die Studie von der im Mai vorigen Jahres ins Leben gerufene "Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf im Rhein-Sieg-Kreis", nachdem Ärzten bereits 1999 in einer Zufallsbeobachtung "gesundheitliche Beeinträchtigungen der Menschen in der Region durch Fluglärm" aufgefallen war. Nun sollten Patienten gezielt um Selbstauskunft gebeten werden.

Nach sieben Monaten lagen 1121 Fragebögen vor, die ausgewertet werden konnten. Die Befragung sei von der Initiative nicht als biometrische Untersuchung verstanden worden, sagt Hans-Friedrich Döring, Dermatologe und einer der Mitgründer der Ärztevereinigung. Vielmehr sollte die Bandbreite des Themas erkennbar gemacht werden und helfen, "auf gezieltere Einzelprobleme mit definierten medizinischen Fragestellungen wissenschaftlich eingehen zu können".

Das Resultat sei deshalb auch als "Übersichtseindruck" mit "subjektiven Beobachtungen" zu werten. Bei einem medizinisch-wissenschaftlichen Symposium am Wochenende im Siegburger Stadtmuseum wurden die Ergebnisse vorgestellt. Nachtfluglärm sei hier in der Region für Tausende von Menschen eine krankmachende physikalische Schadensquelle, die es zu beseitigen gelte, fasste Döring zusammen: "Wirtschaftliche Argumente dürfen uns als Ärzte nicht interessieren." Dazu sei die Studie ein erster Schritt gewesen.

Ein zweiter sei das einberufene Symposium zum Thema "Auswirkungen von Nachtfluglärm auf die Gesundheit". Dazu hatte Organisatorin Dr. Gerda Noppeney Wissenschaftler und Lärmexperten von hoher Kompetenz als Referenten gewinnen können, Schlafmediziner ebenso wie Hörforscher, Immunbiologen wie Allergologen. Unisono geäußerter Standpunkt: Ungestörter Schlaf ist die Grundvoraussetzung für Gesundheit, Wohlbefinden und Leistung, ein Gut, dass es grundgesetzlich zu schützen gelte. Ihm sei unverständlich, äußerte Rhein-Sieg-Landrat Frietjof Kühn als Schirmherr des Symposiums, dass der Aufsichtsratsvorsitzende des Konrad-Adenauer-Flughafens, Norbert Rüther, im Vorfeld Kritik an der Veranstaltung geäußert habe. Man lebe in einem freien Land mit freier Meinungsäußerung und freien Ärzten: "Es ist legitim, das Thema Fluglärm sach- und fachkundig zu behandeln."

Nachtfluglärm sei ein wichtiges Anliegen, mit dem er beinahe täglich von Bürgern konfrontiert werde. Trotz vieler Zusagen sei bisher keine signifikante Reduzierung des nächtlichen Fluglärms eingetreten. Seit Jahrzehnten würden die Menschen auf ein neues Fluglärmgesetz warten. Bislang vergebens. Dies sei vergangenen Regierungen als Versäumnis anzulasten, aber auch der jetzigen. Die Ärzteinitiative betonte, dass sie "unbeirrt von der ablehnenden Haltung der Landesregierung" ihre Kampagne für ein Nachtflugverbot und eine Kernruhezeit fortsetzen werde.

Unter den Hörern im Stadtmuseum war auch Professor Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Ärztekammer Nordrhein und der Bundesärztekammer. Der Veranstaltung testierte er "hohen wissenschaftlichen Wert". Die Ärzte seien der Bevölkerung gegenüber verantwortlich und hätten mit dem Symposium diese Verantwortung wahr genommen. Das Thema habe gesundheitliche, wirtschaftliche und arbeitsmarktpolitische Facetten, die es zu bündeln gelte. Zugleich aber warnte Hoppe vor dem Aufbau von Feindbildern.

Vor allem Mediziner aus dem Rhein-Sieg-Kreis, dazu etliche Bürgermeister und geladene Gäste verfolgten die Darstellungen der medizinischen Fachleute über Fluglärm als Ursache von Krankheiten.

Das Podium zum medizinisch-wissenschaftlichen Symposium im Siegburger Stadtmuseum erörterte "Auswirkungen von Nachtfluglärm auf die Gesundheit". BILDER: KLAUS SCHMITZ