Hoppe bietet Moderation im Streit um Nachtfluglärm an

Kammerpräsident zu Gast beim medizinisch-wissenschaftlichen Symposium der "Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf Rhein-Sieg" - Patientenbefragung belegt mögliche Gesundheitsstörungen durch nächtliche Flüge im Raum Köln/Bonn

von Horst Schumacher

Eine Moderation der Ärztekammer Nordrhein (ÄkNo) im Streit um mögliche Gesundheitsstörungen durch nächtlichen Fluglärm im Raum Köln/Bonn hat der Präsident der ÄkNo und der Bundesärztekammer, Professor Dr. Jörg-Dietrich Hoppe, den Beteiligten kürzlich in Siegburg angeboten. Zugleich bedankte sich der Kammerpräsident für das Engagement der "Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf Rhein-Sieg". Diese nehme die ärztliche Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung wahr und trage damit zur Vertrauensbildung zwischen Bürgern und Ärzteschaft bei (zu den Aktivitäten der Initiative siehe auch Rheinisches Ärzteblatt Oktober 2001, Seite 19, oder im ÄrzteblattArchiv).

Probleme bündeln

Als Gast bei einem medizinisch-wissenschaftlichen Symposium der Ärzteinitiative mahnte Hoppe jedoch gleichzeitig, keine Feindbilder aufzubauen. Auch wirtschaftliche Facetten des Problems sind nach seinen Worten zu bedenken. Er riet zur "Bündelung der Probleme" und einer gemeinsamen Anstrengung von Betroffenen, Gesetzgeber und Flughafen zu ihrer Lösung. Damit unterstützt der Kammerpräsident ein wichtiges Anliegen der "Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf": Diese fordert den direkten Dialog zwischen sachverständigen Medizinern und den politisch Verantwortlichen.

Anlass für die Aktivitäten der Ärzteinitiative im Rhein-Sieg-Kreis waren gehäufte Patientenklagen über Schlafstörungen, während gleichzeitig die Zahl der Nachtflügen am Köln-Bonner Flughafen deutlich zunahm. Inzwischen starten und landen pro Nacht bis zu 160 Maschinen.

88 Prozent fühlen sich beeinträchtigt

Eine Patientenbefragung bestärkt die Mediziner der Initiative nun in ihrer Sorge, dass der von diesen Flugzeugen verursachte Lärm viele Menschen in der Region krank macht. 25 Ärztinnen und Ärzte fragten in 16 Praxen ihre Patienten schriftlich nach der Belastung durch nächtlichen Fluglärm. Innerhalb von 7 Monaten – von Anfang Juni bis Ende Dezember 2001 – erhielten sie 1121 Fragebögen ausgefüllt zurück.

Die wichtigsten Ergebnisse: 88 Prozent der Befragten bejahten die Frage "Fühlen Sie sich durch nächtlichen Fluglärm beeinträchtigt?". 81 Prozent vermuten einen Zusammenhang zwischen dem nächtlichen Fluglärm und ihren gesundheitlichen Beschwerden. Über 80 Prozent der Patienten sind für die von der Ärzteinitiative geforderte grundsätzliche Nachtruhezeit am Flughafen von 22 Uhr bis 6 Uhr, weitere neun Prozent für eine bedingte Ruhezeit.

Die befragten Patienten litten vor allem unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Herz- und Kreislauf-Problemen, Bluthochdruck und neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen wie Nervosität und Depression. Die Patientenbefragung verstehen die Ärztinnen und Ärzte der Initiative als "Screening-Verfahren", dessen Ergebnisse bei der Konzeption weiterer Untersuchungen mit exakteren medizinisch-wissenschaftlichen Methoden helfen sollen.
Experten wie der Kölner Immunbiologe Professor Dr. Gerd Uhlenbruck bestätigen, dass gestörter Schlaf zu ernsthaften Erkrankungen führen kann – zum Beispiel weil das Immunsystem geschwächt wird. Privatdozent Dr. Ing. Christian Maschke von der Technischen Universität Berlin berichtete in Siegburg, dass gestörter Schlaf mit einem veränderten Muster der Hormonausschüttung einhergeht. "Chronische Schlafstörungen sind keine Befindlichkeitsstörungen, sie können vielmehr zu ernsthaften Folgeerkrankungen führen", warnte auch Professor Dr. Jürgen Zulley, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Bezirksklinikum Regensburg.

Er charakterisierte den Schlaf als einen "aktiven Prozess", während dessen es zu "wichtigen Erholungsvorgängen" im Körper kommt. Gestörter Schlaf ist nach Angaben des Forschers vielfach die Ursache von Leistungsminderungen, Unfällen und chronischen körperlichen und psychischen Erkrankungen. Laut Zulley kann der Schlaf auch gestört werden kann, ohne dass der Schläfer erwacht: "Der Schlaf ist dann nur oberflächlich und führt nicht zur Erholung."

Weitere Informationen über das Symposium und die Ärzteinitiative im Internet unter www.aefusch.de,

E-Mail: postmaster @aefusch.de